Archive for Dezember, 2015

5 Years of stonerrock.eu – A Message to our Community

stonerrockEU-the-end

Geschrieben von Tim
Mitgründer und Redakteur von stonerrock.de/.eu

Ich würde gerne die letzten Jahre in ein paar Worten Revue passieren lassen. Um die Ursprünge unserer kleinen Website zu erläutern, muss ich dazu einen kleinen Sprung in die Jahre um 2008, 2009 wagen. Ich denke, dies ist keine allzu persönliche Herangehensweise, da ich mittlerweile von Vielen, sehr ähnliche Geschichten hören durfte. Also los gehts. Wie viele andere ließ ich den Thrash Metal und andere Spielarten des Rocks aus Langeweile hinter mir. Zur Rettung kamen – wie aus dem nichts – Queens of the Stone Age und damit dann letztendlich Monster Magnet und Kyuss. Natürlich schon lange da, aber irgendwie immer unter der Oberfläche, fühlte man sich, als hätte man einen Schatz gehoben.
Voller Enthusiasmus stürzt man sich in jedes damit auch nur ansatzweise verbundene, anstehende Konzert. Da stehen Graveyard und Witchcraft noch zusammen auf dem Lineup und spielen vor vierzig Leuten im kleinsten Club, OM machen das selbe zu zweit und Kadavar und Blues Pills quasi noch gar nicht. Sleep, Unida und Pentagram gelten als Legenden, wo man die letzte Chance auf einen Liveauftritt für immer verpasst sieht.
Genau zu dieser Zeit – 2010 – kommt der Stein ins Rollen. Viele meiner engen Freunde konnten meine nicht zu haltende Begeisterung für die neu entdeckten Musikgenres (noch) nicht teilen und so fehlte mir ein entsprechender Gesprächspartner. Zum Glück jedoch leben wir im 21. Jahrhundert. Der Helfer also: Das Internet. Damals steckte Facebook noch in den Kinderschuhen, man tauscht sich also über billige Foren aus. Ein kostenloses (mit möglichst wenig Werbebannern) gefunden, konnte es losgehen. Über wenige Monate hinweg versammelten sich schnell dutzende Liebhaber der Heavy Rock Szene. Größtenteils getarnt unter Nicknames tauschte man sich aus, über anstehende Events, alte Helden und aktuelle Platten.

Mit dem kontinuierlich steigenden Interesse wurde schnell klar, dass es bei Threads und Nicknames nicht bleiben kann. Eine richtige Seite musste her. Die Namensgebung war schnell geklärt: Hatte doch ein früher Unterstützer von heavy-metal.de die Domain stonerrock.de schon reserviert und diese uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Vielen Dank nochmal. Mit technischer Unterstützung aus der Community (danke Ben), gelang es uns bald nicht nur das Forum, sondern auch Konzertreviews und Plattenrezensionen zur Verfügung zu stellen. Nicht immer mit dem besten Deutsch, aber immer Lust auf mehr. Wir wollten Inhalte erschaffen, für andere Fans, wie uns. stonerrock.de war plötzlich auch ein Name bei Veranstaltern und Bands, daher ging es los mit den Gästelisteeinladungen, Promo-CDs und Interviewangeboten. Man konnte sein Glück kaum fassen. Plötzlich nicht nur Fan, sondern irgendwie auch Teil der Szene. Schön war sie, diese Anfangszeit. Immer aufgeregt, immer neue Leute und Erfahrungen.

Doch, man kann es schon kommen sehen, es wurde alles immer größer und mehr. Mehr Anhänger, mehr Inhalte, mehr Arbeit, mehr zu investierende Zeit. Die Anhängerschaft erweitert sich auf Teile von Europa und erwartet Inhalte nun auch auf Englisch. Kein Problem, denken wir, haben wir ja im Unterricht gelernt. Zukünftig übersetzten wir also möglichst all unsere Inhalte. stonerrock.eu, tada! Die Szene wächst und wächst und die Anfragen werden mehr und mehr. Promo-CDs im Briefkasten, dutzende Anfragen über email und Facebook-Nachrichten kamen langsam auch ins Spiel. Alle Anfragen selbstverständlich unterstützenswert, wurde ein Bearbeiten jedoch immer unmöglicher. Zu meiner besten Zeit (als Student kann man sich gut am Tag mal 1-10 Stunden frei nehmen, um an einer privaten Website zu arbeiten) kamen Ideen am laufenden Band. Unter anderem fesselte mich die Idee eines Underground Festival Planers, welcher wunderbar von der Community und Veranstaltern aus ganz Europa angenommen wurde. Die Arbeit nahm zu diesem Zeitpunkt jedoch überhand. Merkwürdigerweise nehmen teilweise Leute bis heute an, ich würde meinen Lebensunterhalte mit stonerrock.eu verdienen. Aus dem Ausland gab es sogar mal finanzielle Angebote – ein Plattenreview gegen Euros. Betrachtet man es so, ist es doch irgendwie schön, dass der Heavy Rock mittlerweile wieder im Mainstream angekommen ist und wir im Underground versinken. Verantwortung hatte man gegenüber Labels, Promoagenturen, Booking, Bands und Freunden. Keinen wollte man im Stich lassen. Letztendlich musste man. Alle oder keiner. Daher sind die Dinge über das letzte Jahr hinweg ausgelaufen. Wir haben uns etwas versteckt und zurückgezogen. Der Druck, sein Ziel nicht zu erfüllen, wurde zu groß. stonerrock.eu zurück zu lassen tut nicht weh, denn was wir alle im Team gewonnen haben, sind Freunde, die darüber hinaus bestehen und weshalb wir auch in zehn Jahren noch Konzerte und Festivals besuchen werden.

Ein Dankeschön

Das ist nur meine Sicht der Dinge. Ich weiß, wer schon länger in der Szene unterwegs ist, wird die letzten Jahre vielleicht anders, vielleicht sogar kritischer sehen, aber ich hoffe, ich konnte unseren Werdegang und unsere Motivation dahinter darstellen. Wir als Team haben uns entschlossen, das Kapitel stonerrock.eu abzuschließen (mit kleinen Ausnahmen, siehe unten). Es war nicht immer einfach. Gerne geben wir das Mikrofon weiter an all die anderen Fanzines und Blogs da draußen, die uns sowieso schon seit geraumer Zeit den Rang abgelaufen haben. An erster Stelle natürlich JJ von The Obelisk, der das Loch, welches das Verschwinden von stonerrock.com hinterlassen hat, mit seinen täglichen und vor allem ausführlichen Inhalten mehr als gefüllt hat. Dank gilt vermutlich hunderten von Leuten, daher fange ich gar nicht erst an. Eines aber: Danke an das Team, das mich als Semi-Chef immer wieder ertragen musste und ohne das das ganze Projekt natürlich nicht ansatzweise so einen Anklang hätte finden können. Küsse.

Ich hoffe, unsere Community vergisst den kleinen Teil nicht, den wir zu dieser spannenden Zeit beitragen konnten und weiß es zu schätzen, dass geschaltete Werbung auf stonerrock.eu nie in Frage für uns kam und auch Serverkosten stets selbst kompensiert wurden. Selbstverständlich schalten wir die Seite nicht ab, sondern unsere Beiträge werden weiter online zu finden sein. Danke für die gemeinsamen Jahre. Sie sind nicht vorbei. Wir stecken in der Online-Welt zurück, aber freuen uns umso mehr euch im Sommer auf unseren Lieblingsfestivals zu sehen. Bis dann, Cheers.

Love,

Tim

Wie geht es weiter

Fotografie und Videoschnitt waren stets Teil von stonerrock.eu (siehe unser YouTube-Channel). Dies ist ein Hobby, das ich auch zukünftig weiter verfolgen werde. Wer meine Arbeit bisher mochte, ist herzlich eingeladen meine neue Website (http://www.random-hero.de) zu besuchen, oder mir auf Facebook (Facebook) zu folgen.

Unsere Team-Mitglieder Luca und Ruth möchten darauf hinweisen, dass sie auch weiterhin sporadisch Inhalte hochladen werden. Natürlich wird ihnen daher auch stonerrock.eu weiter als Plattform zur Verfügung stehen. Kein Grund also stonerrock.eu aus den Favoriten zu nehmen, wa?

Zahlen, Zahlen, Zahlen

5 Jahre
152 Plattenreviews
56 Konzertreviews
41 Interviews
89 YouTube-Videos *
395555 YouTube-Views *
1493 YouTube-Abonnenten *
6263 Facebook-Follower**

* Beide unsere YouTube-Kanäle kombiniert
** plus 5276 auf German Stoner Rock Community

Parasol Caravan – Para Solem

Parasol Caravan - Para Solem

Parasol’s Space Odyssey

Para Solem

Parasol Caravan

Kyuss brachten das Raumschiff zum Landen, einer ihrer Sprösslinge barg seine Wrackteile und machte es wieder flugtauglich: Parasol Caravan, dieses sich immer in instrumenteller Offensive befindliche Wunderwuzzi-Quartett, das in den letzten 5 Jahren aus jeder erdenklichen Konzertvenue-Ecke lugte, unzählige Support- und Headlinershows vollbrachte und schließlich von der Bubentruppe zum kraftstrotzenden Zenit der österreichischen Stoner-Szene avancierte. Die vielen musikalischen Einflüsse und cineastischen Inspirationen waren schon beim Ausstoß ihrer beiden EPs hörbar, das Konglomerat dieser Ingredienzien – Para Solem – darf sich nun endlich in den Longplayer-Superkosmos einreihen.

Nach einem leitmotivpassenden Intro wird mit Rising ein zunächst klassischer Parasolinger-Weg eingeschlagen, der sich hauptsächlich von seiner Bass- und Schlagzeug-Dominanz und den qualmenden Vocals ernährt.
Etwas experimentierfreudiger ist der Nachfolger Veneer, der seine Gift und Galle spuckenden Lyrics mit intelligenten Gitarren-Kieksern und progressivem Drumming versieht und auf diese Weise Melancholie und Fuck-You-Attitüde zu einem groovenden und alles zermatschenden Geröllbrocken formt.
Als fuzziges Äquivalent zerrt Diarancor an Haar und Bart bis einem schließlich Snash mit nur einem einzigen Happen verschlingt. Der Tool-Einfluss war bei den Linzern immer schon sehr präsent und so tendiert vor allem die zweite Hälfte von Para Solem bewusst zu musikalischen Transzendenten, als hätte die Reise in das unendliche Universum schließlich einen neuen Weg gefunden um bislang unergründliche Sphären zu erreichen. Umso lethargischer klingen die von Trostlosigkeit verflochtenen Texte von Sänger Alex, der den wiedererlangten Halt in seinen eigenen Worten findet. Denn schlussendlich muss doch jeder selbst versuchen wieder aufzustehen. „Get out of the mud, the dirt is all you have. Escape the desolate. Everything will be ok“

So viel trockene Selbstkenntnis entdeckt man in der Lyrik des Stoner-Klassizismus eher selten. Mindestens genauso schwermütig schwadroniert wird auch im 6 ½ Minuten-Track Self Mastery, der zumindest instrumentell mehr Harmonie und gesottene Schlagfertigkeit birgt und anfänglich durchaus spannend und abwechslungsreich daherkommt ehe er wieder in den altbekannten Stoner-Trott fällt. Hier verliert das Spannungskarussell kurz an Geschwindigkeit, das aber dank seiner verzerrten Gitarren und wabernden Bässe wieder an Fahrt gewinnt und schlussendlich sämtliches Hirnmaterial aus dem Hypothalamus drückt.
Sollte man die Steinigung vom mammutschweren Black Monolith überstanden und auch das düster-dominante Time Bender sich von der Stirn gewischt haben, geht der gespannte Bogen nun auf den finalen 8-Minüter New Stone über. Ein weiterer Asteroid an Stoner Rock-Power, der einsamen Autofahrten und anderen Eigenbrötlereien dient. War das schon alles? Natürlich nicht, denn ab der dritten Minute stoppt die stonersche Tollerei, nimmt psychedelische Umrisse an, dehnt sich, explodiert und bildet neue Formen. Surrogat zu Lateralus? Die Songstrukturen und Intensitäten ebendieser zeigen zumindest Ähnlichkeiten, nur dass man die Anwendung des Fibonacci-Codes nicht nötig hat. Denn ehe man sich‘s versieht und Gitarrenwände, Beckenwellen und Orgelgedöns ejakuliert werden, tritt wie aus dem Nichts plötzlich eines ein: Stille

Para Solem – ein auf der einen Seite koscheres Werk, auf der anderen Seite ein wiederum verspieltes und gelungenes, experimentelles Album, dessen Klangresultat nicht nur an der großartigen Produktion sondern auch am Zusammenspiel der vier Burschen liegt. Zugegeben, trifft der Gesangstil in seiner Vehemenz und Klangkraft nicht jedermanns Geschmack, doch stößt er zumindest in ruhigen Songmomenten auf Sympathie und Wohlwollen. Bei so viel dargebrachtem Ehrgeiz und Abwechslungsreichtum freut man sich schon auf die kommenden Veröffentlichungen von Parasol Caravan!

1. Take Off
2. Rising
3. Veneer
4. Diarancor
5. Snash
6. Self Mastery
7. Black Monolith
8. Time Bender
9. New Stone

Laufzeit: 49 min

Anspieltipps: Snash, New Stone