Brant Bjork and the Low Desert Punk Band – Black Power Flowerde en

 Brant Bjork and the Low Desert Punk Band - Black Power Flower

Brant Bjorks facettenreiche Rückkehr an die Gitarre

Black Power Flower

Brant Bjork and the Low Desert Punk Band

Gut viereinhalb Jahre nach der Veröffentlichung von Gods & Goddesses kehrt Brant Bjork nach ausgiebigem Touren und Aufnehmen mit Kyuss Lives / Vista Chino (endlich) wieder an Gitarre und Mikrophon zurück. Hinter dem etwas sperrigen Namen Brant Bjork and the Low Desert Punk Band versteckt sich – mal wieder – eine inzestuöse Wüstenrock-Supergroup. Neben Wüstenbewohnern Dave Dinsmore, dem Bassisten von Ché und Fatso Jetson Drummer Tony Tornay, spielt mit dem Ostküsten-Punk-Rocker Bubba Dupree allerdings ein Außenseiter die zweite Gitarre. Der entspannte, groovige Vibe von Gods & Goddesses ist auf Black Power Flower einem sehr viel roherem, fuzzigerem und doomigerem Sound gewichen.

Dieser Eindruck wird schon in den ersten Sekunden des Openers Contollers Destroyed mehr als deutlich. Nach der sehr langsamen und tonnenschweren Intro mit Geezer-esquem Bassspiel ist man beinahe versucht, den War Pigs Songtext anzustimmen. Die fuzzy Gitarre und Bjorks rauer, fast schon krächzender Ruf-Gesang holt den Hörer dann allerdings schnell wieder auf den trockenen Wüstenboden zurück. Außerdem fällt in den ersten Zeilen der Lyrics auf, dass Bjork zwar anders singt, aber die Themen weiterhin anklagend und gesellschaftskritisch bleiben. We Don’t Serve Their Kind kommt schon eher wie ein typischer Brant Bjork Song daher. Der größte Teil ist bestimmt von einem flotten und mitreißenden Riff. Erst nach dem zweiten Refrain wird mit einem ausgedehnten Instrumentalpart wieder Tempo herausgenommen. Herausstechend ist auch hier wieder der ausbrechende Bass von Dinsmore, der das Gitarrensolo von Dupree immer wieder in den Schatten stellt. Für Stokely Up Now wurde nochmal ordentlich am Fuzz-Regler gedreht, dadurch wird Bjork wieder gezwungen gegen das tragende Riff anzubrüllen. Der Titel überrascht durch ein eher im europäischen Heavy-Psych (z.B. Mother Engine) zu erwartendes Gitarrenspiel im Refrain. Mit Buddha Time folgt ein Stück, welches sich weniger für asketische Meditationspraktiken eignet, als die Betitelung vermuten lässt. Und zwar bekommt der Hörer einen Fu Manchu Song vom Feinsten vorgesetzt. Dupree spielt unter der Wand von Rhythmus-Gitarre und Bass ein soloartiges Lead, welches auch ohne Weiteres von Bob Balch stammen könnte.

Bei Soldier of Love und Boogie Woogie On Your Brain setzt ein kurzer Durchhänger im ansonsten sehr starken Album der Low Desert Punks ein. Während ersterer noch ein solider Bjork Song ist, dem ein bis zwei Minuten weniger in der Länge nicht geschadet hätten, springt der Funke bei letzterem gar nicht über. Das Spiel mit den Rückkopplungen, der verwirrende Soundwechsel zwischen Strophen und Refrain, sowie das sehr kräftige, vordergründige aber leider auch simple Schlagzeugspiel Tornays können zumindest den Verfasser dieser Kritik nicht überzeugen. Insgesamt enttäuscht der Fatso Jetson Drummer etwas. Wer die Band in den letzten Wochen auf Tour gesehen hat, wird attestieren können, dass Tornay sein Drum-Kit regelrecht verprügelt. Diese Kraft kommt auf dem finalen Mix des Albums leider nur vereinzelt zur Geltung und es bleibt dadurch häufig bei einer wenig kreativen perkussiven Untermalung. Doch als hätte er die Zweifel bemerkt, legt er in Ain’t No Runnin‘ die Ketten ab und spielt plötzlich viel freier und leichter – eine willkommene Abwechslung. Insgesamt wirkt der knackige, „Dr. Special“-ähnliche Song vitalisierend. Hier gelingt es Bjork erneut auf exzellente Weise, mit einem kräftigen, doch zugleich groovigen Riff und seinem lässigen Gesang, Köpfe wackeln zu lassen ohne dabei eine Spur von Stressgefühl im Hörer auszulösen. Dieser Spagat zwischen Heaviness und Gelassenheit wird in That’s A Fact Jack noch einmal unterstrichen. In den Strophen tritt die fuzzgeladene Rhythmusgitarre hinter ein verspieltes, vor Wah-Wah triefendes Lead, um anschließend im Refrain alles mit sich zu reißen. Einzig der durch wirkungsvolle Slides hervortretende Bass von Dinsmore verleiht dem Titel Stabilität.

Auch Hustler Blues ist deutlich zweigeteilt – bloß kommt der Break dieses Mal in der Mitte des Songs. Die erste Hälfte kommt (fast komplett) ohne Fuzz aus und zelebriert mit bassigem Groove und mit Hall versehender Stimme den Blues. Auf den Refrain, in welchem Bjork die mehr als berechtigte Frage stellt „How do you say no to a woman that makes you tea?“, folgt ein drei-minütiges Gitarrensolo, das auch von Bruno Fevery (Vista Chino) hätte stammen können. Tornay reißt das Ruder im Laufe des ausufernden Solos durch sukzessive Tempo- und Prügelkraftsteigerungen an sich und verwandelt den schon beinahe vergessenen Blues in eine dreckig-punkige Hendrix-Nummer. Mit mehr als acht Minuten Länge ist Where You From Man der längste, aber auch simpelste Song auf Black Power Flower. Hier geht es den Low Desert Punks einzig und allein um Riff-Zelebration. Dagegen ist nichts einzuwenden, wenn die Riffs derart gut sind. Der Songtext, welcher während des Hauptarrangements gesprochen wird, ist dialogisch aufgebaut. Ähnlich repetitiv wie das Riff fragt Bjork seinen Gesprächspartner mit durch Effekte spacig-entfernt wirkender Stimme immer wieder, wo dieser denn herkomme. Meist muss er sich mit einem lakonischen „Hell Yeah“ oder langgezogenen „Shiiiit“ als Antwort begnügen – die befriedigendste Variante ist ein „Not from here, man.“. Um dem Hörer Zeit zu geben, diesen beinahe platonischen Dialog auf sich wirken zu lassen, wird ein circa vier-minütiger ruhigerer Part inklusive eines Wah-Wah Solos eingeschoben, bevor noch ein letztes Mal zum anfänglichen Riff zurückgekehrt wird.

Insgesamt haben Brant Bjork and the Low Desert Punk Band mit Black Power Flower ein überraschend hartes und fuzziges, aber auch facettenreiches Album geschaffen. Bjork umarmt mit dieser Band viele Einflüsse aus seinen Tagen nach Kyuss (namentlich Fu Manchu, Ché, Vista Chino, Solo) und reichert diese mit Doom-Akzenten an. Dave Dinsmores spektakuläre Leistung am Bass verdient an dieser Stelle eine besondere Würdigung. Auf der inhaltlichen und persönlichen Ebene scheint er sich allerdings vollkommen treu geblieben zu sein – das wird durch die Songtexte sichtbar, die teilweise genauso komödiantisch sind, wie auf der Keep Your Cool, häufig aber auch gesellschaftskritisch wie auf der Somera Sól. Kurz vor Jahresende liefern die Low Desert Punks hier nochmal einen richtigen Kracher ab, der in der Szene sicherlich in einigen Top-10 Listen für 2014 Einzug halten wird.

1. Controllers Destroyed
2. We Don’t Serve Their Kind
3. Stokely Up Now
4. Buddha Time (Everything Fine)
5. Soldier of Love
6. Boogie Woogie On Your Brain
7. Ain’t No Runnin‘
8. That’s A Fact Jack
9. Hustler’s Blues (nicht auf Vinyl-Version enthalten)
10. Where You From Man (nicht auf Vinyl-Version enthalten)

Laufzeit: 49:21 min

Anspieltipps: We Don’t Serve Their Kind, Hustler Blues

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