Colour Haze – To The Highest Gods We Knowde en

 Colour Haze - To The The Highest Gods We Know

Der große Tempel-Wiederaufbau nach nur zwei Jahren Pause

To The The Highest Gods We Know

Colour Haze

Man war schon ziemlich überrascht, als Mitte Dezember ohne große Vorankündigungen und diesmal auch ohne studiobedingte Hiobsbotschaften das neue Album von Colour Haze veröffentlicht und kurz vor der Zielgeraden des Jahres tatsächlich noch zu unserem Top-Album gekürt wurde.
Mit dem Status als Musikpatron des europäischen Undergrounds wird eine neue Veröffentlichung des bayrischen Trios immerhin stets mit Argusaugen beobachtet und mit hoffnungsvollem Entzücken erwartet. Vorgänger She Said aus 2012 hatte es schwer und nach all den langwierigen Produktionsstrapazen wird es immer der leidtragende Hans der Diskographie sein, somit könnte man meinen, Colour Haze hätten bei To The Highest Gods We Know Geschmack an kürzeren Prozessen gefunden.

Bei Circles wird im Grunde nicht viel anders gemacht also sonst. Sanfter Aufbau und progressive Steigerung charakterisieren die Midtempo-Nummer, die klassisch an Elan gewinnt, bis schließlich alle drei Mitglieder ins Epizentrum der Glückseligkeit vorpreschen und gemeinsam mit fanfarenden Trompeten den musikalischen Superlativ beschreiten. So kennt man Colour Haze, so fühlt man sich gut aufgehoben. Das bereits vorab im Internet kursierende Paradise inklusive Kuba-stationiertem Video und Chill-Impuls könnte auch aus der Schmiede eines Herrn Brant Bjork stammen, wäre da nicht Stefan Kogleks poppiger Harmoniegesang und sein unverkennbares Riffing. Dass der Song nach knappen dreieinhalb Minuten sein jähes Ende findet, hinterlässt dann aber eher gemischte Gefühle. Überall kompensiert diese Lücke jedoch wohlwollend. Stark an Peace, Brothers and Sisters! erinnernd, bringt der Track es aber weit schneller auf den Punkt. Dies liegt zunächst an Manfred Merwalds Schlagwerkspiel, das ungebremst und dynamisch agiert, während ihm Gitarre und Bass vorerst gezügelt den Vortritt lassen und abwechselnd schneller werden. Das macht beim Hören mindestens genauso viel Spaß wie nach dem Marihuana-Konsum am Kinderspielplatz herumzutollen, auch wenn in den eigenen vier Wänden zumindest ein mitstampfender Fuß und bejahende Kopfbewegungen als Ersatz dienen müssen.

Das friedvolle Call, das anfangs von Gitarre und Orgel untermalt und von Kogleks beruhigender Stimme angeführt wird, bekommt schließlich in den letzten zwei Minuten seinen Psychedelic-Rock-Aufguss, ehe es direkt in den instrumentalen Titeltrack fließt. Dieser dürfte gleich beim ersten Durchlauf hängen bleiben. Eine gezupfte, spanische Akustikgitarre leitet das Stück ein, ein dezentes Cello wird vernommen und sonnenbadet sich im Schein des Hauptinstrumentes. Kurz vor der vierten Minute beginnt das Leitmotiv – ein von Trommeln und Streichern akzentuiertes, exotisches Manifest, das sich zuspitzt und wieder abebbt, aufputscht und wieder desillusioniert. Nachdem man sich einiger der Schweißperlen entledigt hatte, erkennt man auch die Melodie, welche von den Streichern gespielt wird. Und ehe man wieder klar denken kann, wird man mit Last Call auch wieder auf den Orientteppich seiner Opiumhöhle zurückgeholt.

2014 war in allen künstlerischen Sparten ein unglaublich ausdrucksstarkes und vielseitiges Jahr. In Zeiten turbulenter und bedrückender Weltgeschehnisse, finden Künstler immer noch Mut ihr Können in Bild und Ton zu manifestieren und etwas Schönes und Hingebungsvolles in die Welt zu setzen.
Diesbezüglich waren und sind Colour Haze immer schon sehr präsent und stellen vor allem eine Band dar, zu der man in allen Belangen aufsieht. Bei elf Studioalben ist es bestimmt kein Leichtes, einen majestätischen Opus nach dem anderen zu schaffen. Stücke wie Aquamaria oder Love kann es nur einmal geben, alles andere wäre utopisch und liegt auch nicht in der Intention des Trios. To The Highest Gods We Know klingt sowohl archaisch als auch erfrischend innovativ und wird sich auf Europas Bühnen einen gediegenen Platz schaffen. Die gemeinsame Tour mit Radio Moscow und Cherry Choke sollte somit im Kalender bereits dick markiert sein!

1. Circles
2. Paradise
3. Überall
4. Call
5. To The Highest Gods We Know
6. Last Call

Laufzeit: 42 min

Anspieltipps: Circles, Überall, To The Highest Gods We Know

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