Wight & Trippy Wicked – Chihuahua From Mars Attacks Tour 2012

Wie soll man die Erlebnisse einer Tour wiedergeben ohne es auszuschmücken, um die ganze Sache spannender erscheinen zu lassen? Im Grunde ist die Zeit auf Tour recht langweilig, also muss man sich den Alltag im Auto irgendwie spannend gestalten. Man wird warm miteinander und muss die Zeit mit vielen Leuten auf engem Raum totschlagen; man kommt in eine Bullshit-Schleife, Lach-Flashs und neigt aus Gruppendynamik zum Alkoholismus und Drogenkonsum.

Daneben muss man ein paar Stunden am Tag fit sein um sein Zeug zu schleppen, einen guten Gig zu spielen (denn das ist ja schließlich Sinn und Zweck der Tortur) und schließlich wieder alles abzubauen, ohne was zu vergessen.

Es folgt also ein kleiner Bericht aus einem kleinen Tourbus, einem der vielen hunderte, die sich auf unseren Straßen täglich bewegen. Musiker, aus 2 Ländern, die sich entschließen unbequem zu reisen, dafür aber viel Offenheit, DIY-Spirit, Liebe zur Musik und Entschlossenheit ihre Musik zu teilen, im Gepäck haben.


Tourvideo – Trailer

Die Tour begann für mich schon mal ziemlich erniedrigend, weil ich am Tag der Ankunft der Engländer direkt einen bleibenden Eindruck hinterlassen habe, indem ich in der Darmstädter Bar Cluster beim „Willkommens-Trunk“ den totalen Cluster-Fuck erlebe und mein Körper sich ungewollt auf dem Boden breit macht. Allerdings stärkte das gleich nach dem ersten Schock die deutsch-englische Bruderschaft, denn brüderlich bin ich auch nach Hause getragen worden.

Darmstadt wurde während der Tour zu unserem Headquarter, hier gab es immer zahlreiche Pennplätze, die öfter genutzt werden mussten als eingeplant wegen Fehlorganisation von Veranstaltern (Grüße nach Straßburg) oder auch manchmal aus reiner Bequemlichkeit (eigenes Bett oder Matratzenlandschaft in Hanau?).

Überraschend gut war das Essen auf der Tour (Anm. für Unerfahrene: Vor einer Tour sollte man sich lieber ein kleines Pölsterchen anfressen). Bis auf die typische Pizza-Alternative (Grüße nach Straßburg) gab es jeden Tag Selbstgekochtes. Frische, vegane Curry-Spätzle mit Gemüse, Tofu und Cashew-Kernen, wow, eindeutig besser als das tägliche Chili con Soja der letzten Tour mit den Malakas von Bushfire. Sowohl für den Magen als auch für die Flatulenz.

Diese Tour gab es auch weitere besondere Highlights. Zum ersten mal spielten wir eine Show im Radio (Radio Unerhört Marburg). Meine Vorstellung war eine John Peel Session, ziemlich schön aufgezogen und produziert, so wie man es sich als Toningenieur gerne wünscht – Nix da! Es war old-school mit Stereomikrofonie, Was dem Charme des Sounds allerdings ziemlich zu Gute kam. Unser Soundmann Nico hat uns einen schönen Klang im Raum verpasst, die Verstärker angeglichen sowie die kleine Gesangsanlage. Als Schmankerl gab es sogar Gäste im Aufnahmeraum, die Montags abends um 20 Uhr sturzbetrunken den Wochenstart mit uns feierten und sich sie Nacken zerstörten.


Ausführliches Video Tagebuch

Ein zweites „erstes Mal“ gab es für Wight in Frankreich. Je t’aime Paris… das war der Hit-Shit. Der Gig im Le Combustibles hat sich so angefühlt wie Serge Gainsbourg und Jane Birkin „oh mon amour oui je t’aime“. Straßburg ist übrigens auch ’ne schöne Stadt…

Unser englischer Bus hat also eine ganz schöne Distanz zurückgelegt wenn man bedenkt dass er von der Insel nach Darmstadt gefahren wurde und von dort zwischen Frankreich und Ost-Deutschland gependelt ist. Ich selbst bin auch gefahren, eine tolle Erfahrung. Am Anfang habe ich zwar immer die Tür geöffnet, wenn ich schalten wollte aber irgendwann ging es auch mit der Orientierung auf der Fahrbahn und dem spiegelverkehrten Fahrerhaus.

Nach unzähligen Bieren unzähliger Sorten, die sogar irgendjemand chronologisch notiert hatte, fiel es richtig schwer schon nach 10 Tagen Abschied zu nehmen. Man kennt das ja unter Sauf-Kumpanen: „Ich hab dich so gerne… Niemand versteht mich so wie du… Ich will gar nicht mehr weg von der Tour!“

Trotzdem ist man beim ausnüchtern zu Hause auch wieder froh nicht den ganzen Tag im Auto zu verbringen, eine tägliche Hygiene zu genießen und vor allem das Hirn von dem ganzen gelaberten Bullshit zu erholen… Was zur Hölle hat William Shatner mit analen Porno-Praktiken zu tun?? Egal, nicht weiter drüber nachdenken, sonst „shatnert“ er auch in euer Gesicht.

Wicked! Get in the Chopper! Aaargh!

Abschließend möchte ich sagen, dass es immer ein grandioses Erlebnis ist auf Tour zu sein. Es fühlt sich an wie die Klassenfahrten früher, nur dass es keine Regeln und Aufpasser gibt! Die Musik auf der Bühne mit dem Publikum zu teilen ist ein unbeschreibliches Gefühl. Es muss nur ein einziger Mensch im Raum sein, bei dem etwas ankommt, dessen Seele auf unserem Sender etwas empfängt und das kann einen schon sehr glücklich machen! Danke an alle Städte, Promoter, Helfer, Tonmenschen, Mercher und an Trippy Wicked, die diese Zeit mit uns geteilt haben.

– Rene (Wight)

http://www.wightism.de/