Black Shape Of Nexus – Negative Black

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tiefschwarze Dampfwalzensounds

Negative Black

Black Shape Of Nexus

Leute, ich bin platt wie eine Briefmarke. Nachdem mir der Postbote das neue Album der Mannheimer Band Black Shape Of Nexus in die Hand gedrückt hat, gab es für mich einige Erwartungen: Drone/Doom/Sludge/Noise…naja, ich wusste ungefähr was mich erwartet, dachte an Bands wie Earth, Isis, Neurosis usw…aber was sich da aus meinen Lautsprechern quälte war die pure Essenz alles bösen, verängstigendem und beklemmenden. Ich hab ja schon einiges in meinem Leben gehört, von Black Metal über fiesen Grindcore bis hin zu pervers langsamen Doom. Aber so dermaßen plattgewalzt hat mich noch kein Album!!! Es Album zu nennen wäre ausserdem untertrieben, 80 Minuten dieses Sounds gehen schon als in Vinyl gepresste Apokalypse durch. Doch nach dem ersten Durchlauf ist so ein komplexes Werk keinesfalls zu erschliessen. Deswegen verbrachte ich einige Zeit mit den Songs und ließ sie auf mich wirken…

Was die Band, die nach einigen Line-Up-Wechseln auf 6 Mitglieder gewachsen ist, da abliefert ist nicht von dieser Welt. Sogar der durchschnittliche Sludge/Doom-Hörer wird eine angemessene Zeit brauchen um sich BSON vollends zu erschliessen. Es gibt soviel zu entdecken in den 80 min! Fangen wir einfach von vorne an: Illinois sollte besser „Ill Noise“ heißen, weil es auf den ersten Blick wie kranker Lärm klingt. Aber bei genauerer Betrachtung sind es nicht nur die fiependen Gitarren und Feedbacksounds, die den Song ausmachen, sondern vorallem die mächtige Basslinie im Hintergrund und die langsam nach vorn treibenden Drums oder die Keyboardsamples gegen Ende. Auf jeden Fall bereitet Illinois das Gehirn des Hörers gebührend auf das folgende Inferno vor.
400H kommt dann überraschend rhythmisch und temporeich daher. Mit einem feinen Headbangriff und dem fiesesten Gitarrensound seit dem Electric Wizard Debut. Die Stimme von Sänger Malte Seidel klingt, als ob sie Steine zermalen könnte. Man stelle sich stimmliche die Bösartigkeit von Satyr (Satyricon), die Verzweiflung von Kirk Windstein (Crowbar) und die Brutalität von Chris Barnes (Cannibal Corpse/Six Feet Under) vor und heraus kommen die Vocals von BSON. Ein Hammer Song und mein Favorit auf dem Album, eben weil er etwas zugänglicher ist und als flotter Doomrocker durchgeht.

60 WV, 10000 µF und 14d sind ähnlich gestrickt, jedoch verschwimmen hier die Grenzen zwischen Doom, Sludge und Drone zunehmend. Aber durch einige packende Momente wird stets die Spannung aufrecht erhalten, was vorallem bei dem monotonen Grundgerüst manch andere Bands stolpern lassen würde, aber nicht BSON. Besonders 10000 µF packt einen in den fast 20 min, verliert sich in den weiten der Soundwände, fängt sich wieder um brutal nach vorne loszuschreien und bricht wieder theatralisch zusammen, nur um wieder loszupreschen…ein weiteres Glanzstück! RMS stellt dann eine kurze Ruhepause dar, die jeder Hörer dankend annehmen wird. Anstatt verzerrter Gitarrenwände sind psychedelische Klangcollagen zu hören, getragen von verspielten Melodien. Alles ganz entspannt…bis der Urknall in Form des 22 minütigen Titeltracks einsetzt. Da heißt es auf dem Sessel anschnallen, die Bierflasche gut festhalten, die Anlage voll aufdrehen und sich dann von den Druckwellen dieses musikalischen Weltuntergangs nach hinten pressen lassen! Langsam wie ein qualvoller Tod fliessen tonnenschwere Riffs wie zähe Lava aus den Boxen, bereit alles niederzumachen was ihnen in den Weg kommt…wie ein schwarzes Loch, bis sich alles in einen brachialen Höhepunkt steigert und man nach dem Durchlauf der Scheibe erstmal eine Weile zur Besinnung braucht. Dabei hilft übrigens am besten totale Stille, weil Sachen wie Beatles oder White Stripes zur Beruhigung verträgt ein menschliches Gehirn kurz nach dem Album nicht mehr!

Schade ist eigentlich nur, das ich erst jetzt auf BSON aufmerksam geworden bin. Diese Naturgewalt von Band muss ich mir auf alle Fälle mal live geben, natürlich ohne Ohropax oder sonstige, den Klang verfälschende Sachen! Trotz der Längen in manchen Songs, wird immer versucht die Spannung aufrecht zu erhalten, dass kaschiert die teilweise Monotie die man in solchen Epen leider immer wieder findet und die sowohl Stilmittel als auch Geschmackssache ist. Aber auch geschickt plazierte Details wollen nach und nach entdeckt werden und der mächtige Sound, der in der Tonmeisterei Oldenburg verfeinert wurde tut sein übriges.

Fazit: Selbst hartgesottene Sludge/Doom Fans müssen sich hier warm anziehen, leichte Kost ist hier nicht zu erwarten, dafür dürften aber einige für sich den Höhepunkt ihres Härtehorizonts entdecken. Und all diejenigen, die allgemein auf experimentelle Musik stehen, dürfen sich auch gern heranwagen, denn es gab trotz aller vorher genannten Vergleiche noch keine Todesopfer zu beklagen…noch nicht!!!

Line-Up:
Ralf Bernhardt – Guitars, Noise, Engineering
Gebbo Barome – Guitars, Noise
Jan Wolf – Keys, Noise
Stefan Kuhn – Bass, Noise
Malte Seidel – Vocals, Noise
Marco Hauser – Drums, Noise

1. Illinois
2. 400H
3. 60 WV
4. 10000 µF
5. 14d
6. RMS
7. Negative Black

Laufzeit: 79:54 min

Anspieltipps: 400H, 10000 µF, Negative Black

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