Sungrazer – Miradorde en

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So, da ist es also!

Mirador

Sungrazer

Ich denke, in den letzten Monaten wurde wenig anderen Releases, vor allem von einer Band die noch relativ „frisch“ dabei ist, so entgegen gefiebert wie dem Nachfolger des selbstbetitelten Sungrazer Debüts.
Es war eine ausgewogene Mischung aus psychodelischen Jams, harten Riffs, haushohen Grooves, einem relaxten Gesang und großen Songstrukturen, die ihre Debüt-EP so schmackhaft gemacht haben. Hinzu kamen ausgedehnte Touren, die Sungrazer weit über die Grenzen der Niederlande bekannt gemacht haben, nicht zuletzt durch die Up in Smoke-Konzertreihe, bei der die Band mit ihren Elektrohasch-Kollegen von Rotor und Colour Haze sämtliche Bühnen Europas geentert hat.

Nun steht mit Mirador das neue Album des Trios in den Läden. Und nach den ersten Höreindrücken kommt das Album an die hohe Messlatte des Vorgängers ran. Der Opener Wild Goose kommt ihn ähnlicher Manier wie Zero Zero, dem Eröffnungsstück der letzten EP, daher. Man fängt ganz gediegen an, Beckenschläge werden lauter, eine cleane Gitarre spielt ein verträumtes Riff, wird dabei von besagtem Becken in hohem Tempo getragen, was dem Song direkt von Anfang an einen hohen Drive verleiht, trotz der am Anfang noch ruhigen, sich im Hintergrund befindenden Gitarren. Wenn dann der ruhige Gesang Rutger Smeets‘ mit diesem entspannten Riff verschmilzt, ist man endlich bei Sungrazer angekommen.
Die ruhige Strophe kann man jedoch getrost als Ruhe vor dem Sturm ansehen, brechen im Refrain die brachialen Gitarrenwände über einen herein um die Matte zum schütteln zu bringen, was zweifelsohne gelingen wird. Nach kurzem Jam-Part wird ein neues „Zwischenriff“ eingeworfen was durch Groove und Sound alle Dämme beim Hörer brechen lässt um dann wieder den Kreis zum Beginn zu schließen. Richtig gut.

Beim darauffolgenden Instrumentalstück Octo lassen die drei Jungs mal ihrer Zerstörungswut freien Lauf und zerlegen in ein wenig mehr als drei Minuten das Studio. Zumindest hört es sich so an, im positiven Sinne aber. Fieseste Fuzz-Sounds, brettharte Gitarren, ein dominanter Bass und einem Hans Mulders der die Felle seines Schlagzeugs versohlt, als ob es kein Morgen mehr gäbe, blasen zum Frontalangriff auf dein Gehör um sich dort festzusetzen. Notfalls mit Gewalt. Man muss sagen, es gelingt ihnen.

Nach diesem relativ kurzen und schmerzvollen Ritt werden wieder ruhigere Töne angeschlagen. Das achtminütige Sea beschreitet wieder psychodelischere Pfade, um sich über die Länge des Songs immer weiter in seinen Breaks zu steigern, den Sound der Gitarre hochzufahren, sowohl Effekt- als auch Lautstärketechnisch, um nach einem sphärischen und ruhigen Mittelteil dem Hörer die volle Breitseite zu geben. Der absolut gelungene Spannungsbogen des Stückes macht es fast unmöglich, sich der Energie des Endes zu verschließen und ruhig sitzen bleiben zu können.

Behind spielt in einer ähnlichen Liga, nur wird hier der Spagat aus laut und leise noch ausführlicher und länger zelebriert. Über fast 14 Minuten schlängelt sich der Song durch das Ohr. Er nimmt den Hörer mit in ein eigens kreiertes Universum aus wunderbaren Klängen und Melodien, gleichzeitig hält er auch eine Menge harter Riffs parat, was einem Wechselbad der Gefühle gleicht. Zuckerbrot und Peitsche, und das über eine knappe Viertelstunde. Der Spagat funktioniert.

Als einer meiner Favoriten entpuppt sich das Titelstück Mirador. Eingeleitet von einem stoisch ruhig spielenden Schlagzeug geht es nach einiger Zeit über in ein absolutes Groovemonster, bei dem kein Auge trocken bleibt. Interessante Rhythmen und Tempowechsel halten den Hörer bei der Stange, lassen ihn tanzen und headbangen um ihn mit dem gelassenen, melodiösen Ausklang des Stückes wieder ein wenig Ruhe zu gönnen.

Das an- und abschließende 34 & More macht da weiter, wo Mirador aufgehört hat und lädt nochmal zum entspannen ein. Das wird man auch nötig haben nach diesem Album.
Sungrazer haben es geschafft, das Niveau ihres Debüts zu halten, wenn nicht sogar zu steigern. Ein Überhit wie Common Believer ist leider nicht auf der Platte vertreten, aber man kann ja nicht alles haben.

1.Wild Goose (5:20)
2.Octo (3:11)
3.Sea (8:07)
4.Goldstrike (4:58)
5.Behind (13:48)
6.Mirador (8:25)
7.34 & More (4:35)

Laufzeit: ca. 48 Minuten

Anspieltipps: Wild Goose, Sea, Mirador

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8.5

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