Uran – Uran

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”You can never love URAN, URAN ist the best band in the world!“

Uran

Uran

… , mit dieser hochtrabenden Ironie stellt sich Schwedens nächstes Undergroundmonster vor – und dass direkt mit dem ersten Album. Die Jungs aus Göteborg öffnen im Schrank von Sulatron Records die Schublade des instrumentalen Elektropunk und Spacerock, was dabei herauskommt sind 13(+2) knackige Songs für die man sich vorerst ruhig setzen sollte.
Mit “Hüftwacklerbass“ und entsprechendem Schlagzeug eröffnet EMP das Album relativ gelassen und entspannt, parallel dazu beginnen Kopf und Füße mit zu grooven. Schnell tritt die Frage auf, ob hier noch mehr passiert. Doch kaum hat man sich das gefragt, so wird einem nach knapp einer Minute ein Synthiesound an den Kopf geknallt, der sich gewaschen hat. Sofort werden Erinnerungen an den kleinen blauen Igel ”Sonic” oder die ersten ”Street Fighter“ Kämpfe wach, welche man Anfang der 90er Jahre auf dem Sega Megadrive erlebte. Die Augen sind geschlossen, zweidimensionale Bilder schießen zu diesem 16-Bit-Tribut durch den Kopf – Halleluja was erlebe ich hier?

Bereits jetzt muss man (leider) jedem Hörer sagen, dass er hier seine Reise abbrechen sollte, sofern ihm das nicht gefallen hat.
Für alle anderen kommt mit STRAALSKADAD der Ohrwurm des Albums. Eine bekloppte Flöte eröffnet das Lied und lässt ein Gitarren-/Bassriff los, von dem jeder Stoner nicht zu träumen wagt. Das hier ist tiefer als Kyuss, härter als Motörhead, orientalischer als jeder Inder und sowieso jetzt schon fernab von jeglicher Realität. Mehr hat das Lied auch nicht zu bieten, was in dem Falle allerdings mehr als nur gut ist.
Bereits nach zwei Songs muss man sich also fragen: „Wo bin ich hier gelandet?“. Zum antworten bleibt jedoch keine Zeit, denn die kurzen, knackigen und pervers abnormalen Lieder folgen Schlag auf Schlag, bilden einen Übergang ohne dabei auch nur im geringsten ähnliche Melodien aufzuweisen.
Das ganze ist etwas onormal um es mit dem nächsten Titel zu beschreiben. Und wieder so eine Frage: „Sag mal, wie viele Synthies haben die?“. Es sind fünf (!!!) um genau zu sein, dazu 2 Bässe, 2 Gitarren und ein Schlagzeug – fertig ist das hochradioaktive URAN. Der Trip wird immer und immer härter, das Kopfwackeln wird zum Kopfkreisen, man schwebt nur noch durch diverse Sphären, weit weit weg von gut und böse. Gegen Ende gibt’s dann noch einmal die volle Synthiedrönung obendrein bevor es schon wieder mit fatfucker weitergeht. „Waaaah geil, Erholung!“ denkt man sich, bevor das Lied nach zehn Sekunden dort weitermacht, wo onormal aufgehört hat. Diesmal gibt es nur Bassgeblubber und viel Synthesizer, dazu minimalistisches Schlagzeug. Einen Hauch von Entspannung gibt es mit dogal maar, ebenfalls minimales Schlagzeug und angenehmer Synthiesound. Der Groove hätte auch aus Trent Reznors Feder stammen können.

Mit mr piggy und voice of uran folgen zwei sehr sphärische Songs, wobei letzterer stellenweise fast ein wenig an Paul Kalkbrenner erinnert.
Now Neverends ist ironischer Weise der kürzeste Titel des Albums und einer der wenigen, bei denen die Gitarre den Ton angibt, ist allerdings nichts neues bzw. nichts außergewöhnliches. Dafür sorgt jedoch diagnos, welches einen gedanklich in eine Verfolgungsjagd versetzt und dementsprechend schnell zur Sache geht – definitiv DER Abgehsong des Albums.
Mit symptohm sweet symptohm und manslut gibt es die nun schon bekannte Synthie-/Bassmanier, allerdings wird hier ebenfalls nichts außergewöhnliches oder weltbewegendes geboten.
Mit haerdsmaelta und URI BROCK werden zum Schluss dafür jedoch zwei fast klassische Stonersongs geboten. Nette aber nicht ausschweifende Riffs, tolle Atmosphären, Platz für Fantasien.
Dreizehn Songs – laut des lustigen, sinnlos mit Fastfood bestückten Booklets ist nun Schluss, aber halt, es gibt noch zwei untitled Songs oben drauf, die jedoch nur leicht abgeänderte Versionen von onormal darbieten.

Abschließend muss man sagen, dass URAN ein einzigartiges Album geschaffen haben, welches lange Zeit seines gleichen suchen wird. Diese CD wird bei jedem Besitzer eine Sonderstellung in der Sammlung haben, da sie fernab von jeglichem Mainstream, geschweige denn der Normalität ist. Das Album schickt einen in einen nie dagewesenen Trip, ohne dass man dazu Konsumgüter nutzen muss. Leider schwappt das Album zur Hälfte ab und kann das hohe Niveau und die Kreativität des Anfangs nicht halten, das Ende entschädigt jedoch noch einmal, sofern man Stoner mag.
Trotz millionenfacher Genres und nerviger Untergliederungen hat URAN das Recht auf ein eigenes – ich präsentiere:

Psychedelic Stonerpunktetris

1. EMP
2. STRAALSKADAD
3. onormal
4. fatfucker

5. dogal maar

6. mr piggy
7. voice of uran

8. Now Neverends

9. diagnos

10. symptohm sweet symptohm
11. manslut
12. haerdsmaelta
13. URI BOCK

(14. onormal (2. Version))

(15. onormal (3. Version))

Laufzeit: ca. 43 Minuten

Anspieltipps: EMP, STRAALSKADAD, diagnos, haerdsmaelta

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7.5

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