Interview: Lonely Kamel @ Burning Earth 2011

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Nachdem fast ein Jahr lang ein passender Termin gesucht wurde, war es in Berlin endlich soweit und ich hatte die Gelegenheit mit einem ziemlich gut gelaunten Thomas Brenna, Gitarrist und Sänger von Lonely Kamel , ein Interview zu führen. Hier wird die Band all denjenigen vorgestellt, die sie noch nicht kennen, wird über Vergangenheit und Zukunft der Vier Norweger geredet und auch über Gott und die Welt. Thomas nahm auf einem edlen, antiken Holzstuhl Platz während ich mich mit einer (vollen) Bierkiste begnügte und dann gings auch schon los. Also Viel Spaß!

Kevin: Thomas, wir haben lange darauf warten müssen, aber jetzt treffen wir uns doch noch.

Thomas: Ja, hat lange gedauert, aber doch geklappt!

Kevin: Als erstes könntest du uns mal die Band vorstellen, für diejenigen die noch nichts von euch gehört haben.

Thomas: Mit unserem Bassisten Stian (Helle – Anm.d.Red.) habe ich damals die Band gegründet, wir haben ein bisschen gejammt und wollten einfach nur Musik machen. Dann haben wir uns noch einen Gitarristen und ein Schlagzeuger geholt, die aber beide nicht so gut waren. Dann wurden wir gefragt, ob wir Orange Goblin in Oslo supporten wollten. Das war erst unser vierter Auftritt, also beschlossen wir den Gitarisst zu feuern und seitdem spielt Lukas (Paulsen – Anm.d.Red.) die zweite Gitarre. Er hatte damals nur Zwei Wochen um sich auf den Gig vorzubereiten, was nicht so einfach war, aber er hat es mit Bravour gemeistert. Nach diesem Gig tauschten wir auch den Drummer, seitdem ist Espen (Nesset – Anm.d.Red.) bei uns. Das war alles 2007 glaub ich. Mit diesem Line-Up sind wir jetzt schon einige Jahre glücklich. Demnach hat eigentlich alles nach dem Gig mit Orange Goblin angefangen, dahalb ist es ziemlich lustig nach dieser ganzen Zeit heute wieder mit ihnen zu spielen.

Kevin: Gibt es noch eine Anekdote zu eurer Gründungszeit.

Thomas: Ja, hätt ich fast vergessen! Ganz zu Beginn hieß die Band noch „Ben Johnson“, benannt nach dem kanadischen Olympia-Sprinter.

Kevin: Der Doping-Typ?

Thomas: Genau! (lacht) Er hatte damals Anabolika genommen. Aber irgendwann dachten wir, das wir nicht schnell genug spielen um uns so nennen zu können.


„Es basiert alles sehr auf dem guten alten Blues, nur viel heavier“


Kevin: Wie seit ihr dann auf euren Bandnamen gekommen?

Thomas: Wir hatten damals einen Song namens Lonely Kamel, in dem ging es darum, dass wir in Oslo ziemlich allein da standen. Niemand hat irgendetwas mit Stoner oder Blues am Hut gehabt, alle haben nur Indie und so gehört. Daraufhin haben wir dann den Songtitel zum Bandnamen gemacht.

Kevin: Wie würdest du denn eure Musik beschreiben?

Thomas: Also es basiert alles sehr auf dem guten alten Blues, nur viel heavier. Zusammen mit den vielen Stonereinflüssen würde ich es Stoner-Blues nennen.

Kevin: Und welche Bands haben euch dabei beeinflusst?

Thomas: Viele vom frühen Blues und der britischen Szene der 60er. (Im Hintergrund ruft Ben von Orange Goblin laut: Pentagram! alle lachen) Die Liste der Bands wäre zu lang.

Kevin: Ich hab Zeit.

Thomas: (lacht) na gut, aber nur ein paar: Leafhound, UFO und Mountain von der alten Garde. Und von den neueren Bands unter anderem die Typen hinter mir (Orange Goblin – Anm.d.Red.), die Desert Sessions gefallen mir auch sehr. Und dann wären da natürlich noch Kyuss und Clutch.


„Für die LP hatte der Typ von Kozmik Artifactz bei der ersten schon ein extra Label aufgemacht um unsere Alben vertreiben, was wirklich sehr cool war“


Kevin: Wer schreibt eigentlich die Songs bei euch?

Thomas: Am Anfang hab ich eigentlich alles selbst geschrieben, aber nachdem Lukas in der Band war, haben wir uns reingeteilt und versuchen immer unsere Ideen aufeinander abzustimmen. Wir machen dann alles soweit fertig und bringen es dann in den Proberaum, wo Espen und Stian dann versuchen etwas passendes dazu zu finden.

Kevin: Haben die beiden auch ein Mitspracherecht beim Songwriting?

Thomas: Nein! (lacht) Im ernst, natürlich bringen sie ihre Vorschläge mit ein und wir finden dann einen gemeinsamen Nenner.

Kevin: Ihr habt ja auch schon seit einiger Zeit euer zweites Album draußen.

Thomas: Ja, „Blues for the Dead“ kam im Oktober voriges Jahr raus. Als CD über Transupstans Records, einem schwedischen Label. Und für die LP hatte der Typ von Kozmik Artifactz bei der ersten schon ein extra Label aufgemacht um unsere Alben vertreiben, was wirklich sehr cool war.

Kevin: Was waren die Unterschiede zu eurem ersten Album?

Thomas: Wir haben uns mehr Zeit gelassen. Das erste Album haben wir am Stück in Zwei Tagen aufgenommen. Bei Blues for the Dead haben wir über ein halbes Jahr hinweg immer wieder einige Parts aufgenommen, also ein vollkommen anderer Entstehungsprozess. Das hatte aber auch finanzielle Gründe, wir mussten immer auf unser Monatsgehalt warten, um wieder ins Studio zu können (lacht). Das ist zwar nicht gerade der Weg den wir gehen wollten, aber am Ende waren wir zufrieden.

Kevin: Hat es sich gut verkauft?

Thomas: Genau wie das erste war es nach ein paar Monaten ausverkauft. 500 CDs und ich glaube genausoviele LPs. Alles was uns noch geblieben ist, sind einige Kopien vom ersten Album auf CD. Deswegen haben wir erst gar keinen Merchandise-Stand mit auf Tour genommen.

Kevin: Ich hab leider das Release von eurem zweiten Album gar nicht mitbekommen. Du hättest ja was sagen können, dann hätte ich ein Review machen können!

Thomas: Ja, aber…(kommt nicht zum beenden des Satzes weil ich ihm dazwischen falle)

Kevin: Jetzt ist’s zu spät! Aber beim dritten Album denkst du dran!

Thomas: (lacht) Auf jeden Fall!


„Es ist ziemlich cool bei euch deutschen, egal wo wir gespielt haben, es waren immer eine Menge Leute da“


Kevin: Wir haben ja vor einem Jahr schonmal versucht, eine Deutschland-Tour für euch zusammenzubekommen. Das hat ja nicht so gut funktioniert. Wie habt ihr es jetzt geschafft, doch noch so viele Konzerte in Deutschland zu spielen?

Thomas: Wir haben über MySpace Kontakt zu einem Typen namens Jens in Siegen bekommen, ein total Musik-Verrückter. Er hatte auch die größte Plattensammlung die ich je in meinem Leben gesehen habe. Er wollte das wir dort spielen und hatte eine Menge Leute eingeladen. Dann kannten wir ja noch den Typ von Kozmik Artifactz aus Berlin und dann kam die Sache langsam ins rollen und wir spielten in beiden Städten. Danach bekamen wir Kontakt zu Sound Of Liberation.

Kevin: Zu Matte?

Thomas: Ja, genau. Wir haben uns vorher etwas umgehört und jeder sagte, das ist Der Mann. Ab dann kamen immer mehr Auftritte. Es ist ziemlich cool bei euch deutschen, egal wo wir gespielt haben, es waren immer eine Menge Leute da. Freiburg, München, Heidelberg, Erfurt und wo wir sonst noch waren. Immerhin leben bei euch 80 Mio. Menschen, von daher ist ein ein guter Platz um durchzustarten.

Kevin: Wo habt ihr ausserhalb von Deutschland gespielt?

Thomas: Schweiz, Holland, Schweden, Norwegen, Dänemark. Also ausser Deutschland fehlen uns noch die ganz großen Länder. Aber nach dem Release des dritten Albums werden wir ausgiebig touren und hoffentlich auch den Rest Europas bereisen.

Kevin: Ihr habt nun schon einige Bands und Leute kennengelernt, was hälts du von der deutschen Stoner-Rock-Szene?

Thomas: Uns gefällt das familiäre hier, irgendwie kennt jeder jeden. Und das, obwohl sie teilweise sehr weit auseinander leben. Auch eure Kommunikation untereinander und eure Präsenz im Internet sind beispielhaft. Bei der ganzen Organisation läuft bei euch von Anfang an alles nach Plan ab, so dass auch so gut wie nie etwas schief läuft. Ausserdem habt ihr eine Menge toller Bands! Wir hatten ja das Glück, zur Up in Smoke Vol. I – Tour mit Colour Haze und Rotor einige Gigs zu spielen. Dir Zuschauer hier sind nicht nur zahlreich vorhanden, sondern sorgen auch immer für eine Super Stimmung. Also hier herrschen eigentlich die perfekten Bedingungen.


„Es waren Fünf Leute da, von denen Zwei Pool spielten“


Kevin: Was war er beste Gig in der ihr bei der Tour gespielt habt?

Thomas: Puuuhhh

Kevin: Ich weiß, schwierige Frage.

Thomas: Ich weiß nicht recht, aber der beste Gig war meiner Meinung nach in Erfurt im Stadtgarten.

Kevin: Hattet ihr auch mal einen richtig beschissenen?

Thomas: Ja, das war ohne Zweifel in Schweden, genauer gesagt in Malmö. Das war unser erster Gig im Ausland. Es war an einem Mittwoch und es waren Fünf Leute da, von denen Zwei Pool spielten (lacht). Das Tourplakat war ein weißes Blatt Papier, auf dem mit Kuli geschreiben stand, dass wir heute dort spielen.


„Wir haben die Songs eigentlich schon alle fertig, aber hatten wie so oft nicht das Geld für ein gutes Studio. Also haben wir gewartet bis jemand kommt und alles bezahlt“


Kevin: Sehr geil! Du kannst mir doch bestimmt irgendeine verrückte Geschichte von der Tour erzählen?

Thomas: (lacht) Eigentlich machen wir die ganze Zeit nur Unsinn. Aber ich fand es ziemlich lustig, als wir in Deutschland ankamen. Wir bekamen einen alten Ford Transit, der schon seit 30 Jahren zum touren benutzt wurde. Wir fuhren keine 5 km weit und der Auspuff von diesem verdammten Teil fiel ab. Also mussten wir zu einer Werkstatt und unser bisher erwirtschaftetes Geld von der Tour ausgeben, um die anderen Konzerte überhaupt erreichen zu können (lacht). Aber ansonsten ist nichts aussergewöhnliches passiert. „We are too lazy, to be crazy“. (lacht)

Kevin: Was war eigentlich die größte Herausforderung, die ihr als Band bewältigen musstet?

Thomas: Also, in Norwegen ist alles so viel anders als hier, vorallem weil alles so verdammt teuer ist. Also kannst du da erstmal keine großen Sprünge machen. Ausserdem ist die dortige Musikszene weniger Rock, vielmehr Indie, Pop und so ein Scheiß. Also war es das schwierigste da raus zu kommen und im Rest Europas Fuß zu fassen.

Kevin: Was habt ihr in Zukunft so alles geplant?

Thomas: Wir haben ja erst vor kurzem bei Napalm Records unterschrieben und werden dort unser drittes Album veröffentlichen. Wahrscheinlich gegen Ende Oktober, Anfang November.

Kevin: Ihr seid aber schnell!

Thomas: Ja, wir haben die Songs eigentlich schon alle fertig, aber hatten wie so oft nicht das Geld für ein gutes Studio. Also haben wir gewartet bis jemand kommt und alles bezahlt (lacht).

Kevin: Wo werdet ihr es aufnehmen?

Thomas: In Oslo. Im Cali Bound Studio. Produzieren wird der Typ von Black Debbath.

Kevin: Ich kenn da ne Band die so ähnlich heißt.

Thomas: Ja, die klingen auch ein bisschen wie Black Sabbath. Die machen aber alles etwas mehr auf Spaß und Satire. Musst du dir auf jeden Fall mal anhören! Wo waren wir? Ach ja, wir werden dieses Jahr noch eine Menge Festivals spielen. Stoned from the Underground, Roadburn, Watersessions und noch ein paar Sachen in Norwegen.

Kevin: Das ging ganz schön schnell bei euch!

Thomas: Ja, wir haben selbst nicht erwartet dieses Jahr auf dem Roadburn zu spielen. Im Oktober voriges Jahr sollten wir für ein Konzert nach Tilburg kommen und Matte (von Sound of Liberation – Anm.d.Red.) hat die Booker vom Roadburn dazu eingeladen. Anscheinend hats ihnen gefallen. In Erfurt war es dasselbe, Matte fragte uns Fünf Minuten nach der Show ob wir beim Stoned from the Underground spielen wollen. Es war eine recht aufregende und schöne Zeit für uns, so viel Anerkennung zu bekommen.

Kevin: Ich hab ja damals, als ich euer Debut das erste mal hörte, schon gedacht: Die Jungs müssen nach Deutschland kommen und haufenweise Konzerte und Festivals mitnehmen. Freut mich das es so schnell geklappt hat.

Thomas: Danke, mir gefällt Deutschland immer besser. Ich sage auch allen Freunden und anderen Bands: „That’s the place to be!“ Keine Ahnung warum das so ist…

Kevin: Aber es ist einfach so!

Thomas: Genau.

Kevin: So, dann bedanke ich mich für das unterhaltsame und die vielen Infos und wünsche einen schönen Gig und noch viel Erfolg für die Zukunft.

Thomas: Danke, man sieht sich bestimmt bald wieder.