Baroness + MoRkObOt – Wien – 31.7.2012

An jenem Dienstag ging etwas Großes über die Bühne der Arena Wien, als uns nach fast 4-jähriger Österreich-Abstinenz die US- amerikanischen Sludge- und Prog Metal Protagonisten von Baroness die Ehre erwiesen. Die Show mit seinen ca. 200 Besuchern ist ausverkauft. Kein Wunder, wurde die Band um Sänger und Gitarrist John Baizley und vor allem ihr frisch releastes Album Yellow & Green medial in alle Fronten geworfen.

Als Supportband fungieren die Italiener von Morkobot. Schräger Scheiß, echt. Ich selbst kannte nichts von dem Trio, das aus zwei Bassisten und einem Schlagzeuger bestand. Im Vorhinein vernahm ich musikalische Beschreibungsfetzen wie „wirr“, „schräg“ oder „psycho“. Allein das machte mich neugierig. Schlussendlich traf es so ziemlich meinen wirren Geschmack. Free Jazz trifft auf groovig-scheppernde Bass-Hooklines, welche die stoner-groovende Schwarte so richtig derb zum Krachen bringt. Hektisch, noisig verfolgen die drei eine Wahnsinnsachterbahnfahrt zwischen verstörtem Stakkato-Geschepper und partiellen, eingängigen Melodien.

Um ca. 22:00h eröffnen schließlich Baroness mit einem etwas abgeänderten Ogeechee Hymnal das Klangfeuerwerk. Die Band ist bestens gelaunt, so beweist es uns der Dauergrinser von Frontmann John Baizley. Und sofort springt der Funke über, als die vertrauten Klänge von A Horse called Golgotha eine geballte Ladung Energie freilassen. Die Halle brodelt, die Stimmung ist sowohl seitens des Publikums als auch der Band unbeschreiblich gut, die im Song beschriebene Stampede wird in aller Ehre praktiziert. „The stained horizon, ablaze with revolvers, stampedes and bridles“ wird lauthals mitgegröhlt, neues Lebensgefühl wiederentdeckt und Fäuste werden geballt, gefolgt vom wunderbar, prolligen Solo von Leadgitarristen und Zweitvokalisten Peter Adams.
Im Anschluss reiht sich das neue March to the Sea dazu, ein melodiöses Mitsingstück, das die Basis des neuen Albums ziemlich gut beschreibt. Weniger Dreck, weniger Heavyness, dafür mehr Eingängigkeit und mehr Singsang.
Die Konzentration vom heutigen Konzert liegt jedoch beim letzten Album Blue Record – wie bereits der Anfang bewies – und u.a. durch das ruhige Steel that sleeps the Eye und dem wütenden Swollen and Halo fortgesetzt wird. Der Schweiß und Dunst in der Halle kondensiert bereits und tropft von der Decke, die Band fragt uns ob es nur auf der Bühne oder auch „unten“ bei uns so heiß sei. Und wie…
Mit Take my Bones away ebenfalls von Yellow & Green dürften Baroness neue Anhänger gewinnen, alte Fans werden dem weichgespülten, reinlichen Pop-Sludge-Sound eher weniger abgewinnen können.
Nach einigen Neulingen wie z.B. dem schönen, balladesken Eula, gibt’s wieder frontale Metal- Riffs im Form von The sweetest Curse und dem Klassiker Isak um die Ohren, über den sich Alteingesessene Baroness-Fans besonders freuen.

Kurze Pause, die Band geht von der Bühne. Aber wir wissen genau, dass sie für eine Zugabe wiederkommen und wurden schlussendlich nicht enttäuscht. Die ganze Crowd ist schlichtweg begeistert, aus dem Publikum schreit und pulsiert es schon seit Beginn des Konzertes ohne Abnahme. Sänger John kann es sichtlich nicht fassen, er ist über die Wertschätzung seiner Musik, an der Anteilnahme und der Atmosphäre schlicht und einfach weggeblasen. Schweißgebadet, erschöpft und gleichzeitig gerührt und überwältigt erzählt er von den Schwierigkeiten des Touralltages, der Ausgebranntheit und Kraftlosigkeit mit der sie im zunehmenden Alter als Vollblutmusiker zu kämpfen haben. Für sie sei es absolut wichtig, bei jeder Show Energie, Liebe und musikalische Toleranz an ihr Publikum zu bringen, mit der Voraussetzung, all das ebenfalls zurückzubekommen. Am Tag davor habe dies nicht geklappt, aber in Wien sei dies ohne Zweifel der Fall und lobt uns mit Danksagungen und Applaus. Mit der von uns erwiderten Bitte, ein Geburtstagsständchen an seine 3-jährige Tochter Isabella zu singen, deren Geburtstag er aufgrund der Tour nicht miterleben konnte, sorgt er für Schmunzeln und zwischenmenschliches Verständnis. John Baizley bricht vor lauter Rührung und Unfassbarkeit in Tränen aus, stimmt zum Ende die Songs Jake Leg und Grad an, bei dessen Krönung er mit seiner Gitarre in die Masse springt und in unser aller Mitte diesen unfassbaren Konzertabend vollendet.

Nicht nur die musikalische Qualität und Intensität, sondern auch die unfassbare Sympathie der Band machten diesen Abend zu einem der unvergesslichsten Konzerterlebnisse des Jahres!

Setlist:

01. Intro (Ogeechee Hymnal)
02. A Horse called Golgotha
03. March to the Sea
04. Steel that sleeps the Eye
05. Swollen and Halo
06. The Gnashing
07. Take my Bones away
08. Ogeechee Hymnal
09. Eula
10. Cocainium
11. Sea Lungs
12. The sweeetest Curse
13. Isak

Zugabe:
14. Jake Leg
15. Grad