Freak Valley Festival 2014 – Live Review

Freak_Valley_2014

Donnerstag – 29. Mai 2014

Freak_Valley_2014-4_fbEin schon im März ausverkauftes Freak Valley lockt mit dickem Lineup, Camping und familiärem Miteinander. Schon früh am Donnerstag Mittag nisten sich die Festival-wütigen zwischen Pferdekoppeln, kleinen Pfützen und Gleichgesinnten ein. Wer sich nach dem Aufbau dann vom Campinggelände, auf den zugegeben manchmal frustrierend langen Weg, runter ins Tal macht, wird gleich an Tag eins mit einigen Highlights belohnt.
The Heavy Eyes, die nicht nur vom Namen her an The Flying Eyes erinnern, sondern auch die Dänen Papir überzeugen zu Beginn gleich sehr. Bei Bloody Hammers stehe ich lange, mit dem Kopf leicht zur Seite geneigt, und versuche zu verstehen. Schaffe es jedoch nicht. War das wirklich so schlecht, oder war es einfach nicht meinte Musik?
Bei Radio Moscow, gibt es dagegen nicht viel zu verstehen. Parker Griggs spielt in einer Tour Riffs und Soli, die zu beeindrucken wissen. Für mich bedeutet das fast mehr staunen, als genießen. Dennoch, ein schön psychedelischer Beginn für mich.

Freitag – 30. Mai 2014

Freak_Valley_2014-1-fbAn Tag zwei bedeutet es „früh Aufstehen“, denn auf einer kleinen extra Bühne, dem sogenannten wake ’n bake, drücken schon gegen elf zwei Bands den Kater-Gedanken aus der Birne. Also wahlweise mit erstem Bier oder gutem Kaffee (beides übrigens zu durchaus humanen Preisen) zu Wight, die schon lange auf meiner Liste stehen. Bushfires Bill, der eine Art Kurator für die kleine Bühne darstellt, macht Stimmung und kündigt die Darmstädter Freunde und einen kleinen einmaligen Wechsel am Schlagzeug an. Aus Krankheitsgründen musste nämlich der Platz hinter den Becken neu besetzt werden, der von keinem geringeren als Tony Reed (Stone Axe, Mos Generator, etc.) spontan gefüllt wird. So liefert diese Kombo gleich am frühen morgen (12 Uhr) ein paar tolle Jams und mächtig Stimmung ab.
Den Rest des Tages genießt man mit viel Bier, immer besser werdendem Wetter und fetten Auftritten wie zum Beispiel von Mothership aus den USA. Diese kratzen mit texanischem Akzent und tief hängenden Eiern tiefe Furchen in den langsam trocken werdenden Boden. Noch etwas später nehmen dann – wie gewohnt – die Truckfighters die Bühne und die Zuschauer vollends auseinander. Flummi Dango macht in einer Stunde mehr Sport, als das komplette Festival am Wochenende und beweist gekonnt seine Ausdauer. Neue und alte Fuzz-Gewitter-Songs überzeugen neue sowie alte Fans.
Wem das zu anstrengend ist und schon hippelig wird, kann sich beruhigt zurück lehnen und auf Blues Pills warten. Diese sind seit letztem Jahr auf der Gewinner-Straße und schon weit über unsere kleinen Stoner-Grenzen bekannt und beliebt. Die Blues-Formation um Sängerin Elin hat noch großes vor sich. Tolle neue Songs, neuer Drummer, beeindruckende Soli vom endlich volljährigen Dorian und Elin, Elin, Elin. Hier gibts nichts mehr zu loben, was die internationale Musik-Presse nicht schon gelobt hätte. Es ist halt auch einfach so toll, wie alle sagen!
Anschließend wird wieder den Berg hoch gepilgert und oben dick in den Schlafsack eingewickelt, denn es ist nochmal kalt, bevor uns morgen endlich die Sonne erwarten sollte.

Samstag – 31. Mai 2014

Freak_Valley_2014-41-fbWie am Tag zuvor schaffen es, wie durch ein Wunder, eine Menge Frühaufsteher vor die kleine Bühne. Sogar ich, obwohl ich mich zusätzlich ziemlich lang in der Schlange zur Dusche sonnen musste/konnte. So verpasse ich zwar Magnetic Mountain, bin aber mit Kaffee in der Hand rechtzeitig zu Bushfire wieder Start bereit. Riese und Freizeit-Entertainer Bill legt mit seiner tief dröhnenden Stimme los und huldigt dem Rock ’n Roll. Dabei wirbelt er auf, neben, vor und sogar über (auf einer kleinen Anhöhe) der Bühne umher und zaubert nicht nur ein Mitnicken, sondern auch ein durchgehendes Grinsen auf die Gesichter der Anwesenden. Das ist einfach gute Unterhaltung. Die kleine Idee mit der zusätzlichen Bühne sollte nächstes Jahr in dieser Form unbedingt wieder so übernommen werden.
Viele widmen sich am letzten Tag, neben der Musik auch der Sonne und genießen die Zeit auf dem Campinggelände.
Dann bei Samsara Blues Experiment, wo ich etwas später dazu stoße, suche ich erstmal verzweifelt Bassist Richard, dessen Instrument heute anscheinend von Bandkollege Hans übernommen wird. Der Auftritt überzeugt mich auch in der Dreier-Konstellation total und finde hinterher heraus, dass Richard jetzt als Soundmann von Kadavar arbeitet und daher leider bei Samsara ausgestiegen ist. Sehr schade. Aber mal schaun, wie es jetzt mit dem Berliner Gespann weiter geht.
Dann geht es in den Endspurt. Mit den wuchtigen Elder, irren Motorpsycho und tighten Kadavar ein ganz schöner Marathon.
Für am meisten Diskussion dürften wohl die, selten bei uns zu findenden, Norweger Motorpsycho sorgen. Denn ihr absolut undefinierbarer Mix aus Genres, Improvisation und Sound sind sicher nicht für alle Anwesenden konsumierbar. Die Skandinavier fordern, mit ihren anspruchsvollen, aber ausgereiften und cleveren Songstrukturen. Wer verstehen will, muss sich Mühe geben, aber wird dann mit einer Perle des modernen Rock belohnt. Mir persönlich gefallen besonders die sich lang aufbauenden Instrumental-Parts und natürlich das Grand Funk Railroad Cover Into The Sun als Zugabe.

Blickt man über den langen Weg zwischen Campingareal und Bühne hinweg, bleibt ein gut organisiertes Festival mit und von Musikliebhabern, zu guten Preisen. Tolles Wochenende, mit vielen Freunden und einer Menge guter Musik. Das Freak Valley reiht sich ein, in unsere wachsende Underground-Festival-Kultur.
Auf zum nächsten Festival.

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