Roadburn 2011 – Teil 1: Donnerstag

Donnerstag

Das Roadburn. Das Spießerfestival/das Undergroundfestival? Das Stoner Rock Mekka/der Bandmarathon? Die Geldmaschine/der Musikurlaub? Einmalig/unsymphatisch. Nach 15 Minuten ausverkauft… . Das können jedenfalls wirklich wenige Events von sich behaupten. Irgendwas muss also hinter diesem ganzen Hype stecken. Daher hab ich mich 2011 im Namen von stonerrock.de nach Tilburg begeben, um diesem Spektakel einmal beizuwohnen. Hiermit soll keine Werbung gemacht werden, sondern euch einfach ein Bild davon geben, wie man das Roadburn erleben kann. Also, los geht’s:
Nach einer fünf stündigen Anfahrt endlich in Tilburg angekommen ist die erste Hürde noch nicht bewältigt. Verlässt man sich auf moderne Technik, anstatt auf gutes, altes Kartenmaterial, wird man nun mal des öfteren in die Irre geführt; selbst wenn man dem Ziel doch schon so nah ist. So fahre ich circa 3 mal um das sogenannten Safari Camp herum. Irgendwo hier soll nämlich der Roadburn Camping Platz sein. Wegweiser? Nope. Zwischen Giraffen, Touristen-Bimmelbahnen und Wäldern finden wir dann aber tatsächlich den Eingang. Erkennbar, an den vier ersten Ankömmlingen, die auf ihre Campingbändchen warten. Wenn es heißt 12 Uhr ist Einlass, dann ist auch um 12 Uhr Einlass, nicht früher und nicht später. Fünf Minuten vor Mittag kommen zwei junge Herren angefahren und missbrauchen kurzer Hand einen Campingtisch als Rezeption. Die inzwischen recht lange Schlange bekommt nun nacheinander Bändchen, Mülltüte und Infozettel (mit Buszeiten und Campingregeln). Daraufhin wird man Richtung Abschnitt Zebra gelotst. Vorbei an ein paar Ziegen, findet man sich dann auf einem schönen Platz wieder. Gutes Stichwort, denn Platz hat man tatsächlich genug. In Ruhe aufgebaut geht es dann wieder Richtung Eingang, wo der erste Shuttlebus schon wartet. Nach einer 15 minütigen Fahrt sind wir dann angekommen. Die 013 Venue!

Unten verglast, oben mit schwarzem Kunststoff versehen, wartet sie darauf, von den neugierigen Besuchern eingerannt zu werden. Hier soll also in den nächsten vier Tagen der Großteil des Festivals abgehalten werden.
Nachdem die gedruckte Karte in ein weiteres Bändchen umgewandelt wurde und der Photopass in meinem Geldbeutel verschwunden ist, geht es rein. Nun muss Geld in Token umgewandelt werden. Quasi Spielgeld bzw. eher Festival internes Geld. Ein Token entspricht 2,30 €, wie mir gesagt wurde. Soll heißen ein kleines Bier kostet 2,30 €, ein Hamburger 4,60 €. Und das, wenn man sich an das billige Bier und die kleinen Köstlichkeiten hält. Da muss man erstmal schwer Schlucken. Da hilft es auch nicht, dass sowohl Security, als auch Bedienung stets nett und hilfsbereit sind.
Um von den finanziellen Problemen erstmal Abstand zu nehmen, gehts endlich zur ersten Band.

Quest For Fire, zur Zeit erfolgreich mit The Atomic Bitchwax unter dem Motto Up In Smoke 2 unterwegs, macht als Start die Bat Cave (die kleinste Bühne) unsicher. Diese befindet sich im ersten Stock der 013 Venue. Auf die Jungs aus Kanada wartet ein voller und gut gelaunter Raum, gefüllt mit Menschen, von überall aus der Welt. So hört man italienisch, british-english, american-english, spanisch, wirklich alles. Und dann geht es los. Ich bin zwar ziemlich weit hinten und kann nicht viel sehen, aber der Sound ist super! Gut abgemischt und die Stimme ist unabhängig vom Rest gut hörbar. Der Psychedelic Stoner Rock wird von vielen mit geschlossenen Augen aufgenommen und bietet mit der Mischung aus Schönheit und Härte, den perfekten Start in das Festival.

Eine Pause wird mir kaum gegönnt, der erste große Name steht schon auf dem Programm: Acid King. Beim Soundcheck hat Frontfrau Lori zwar noch eine ganze Menge Probleme mit der Gitarre, aber diese sind dann bei Songs wie 2 Wheel Nation nicht mehr zu hören. Wie man es von den LPs gewohnt ist, brummt der Sound durch Kopf und Bauch. Laut, ohne zu laut zu sein. Ganz besonders bei einem so dröhnenden Stoner Metal Sound ist es wichtig trotzdem noch differenziert hören zu können. Das Alles ist also fett-professionell abgemischt und die Band scheint ihre Stagetime wirklich schätzen zu wissen. Beim Drumsolo legt Lori ihre Gitarre auf den Boden und stellt sich im Takt nickend und lächelnd an den Rand der Bühne. Nachdem alle Klassiker gespielt sind verabschieden sie sich freundlich. Wer noch nicht genug bekommen hat, kann am Merchstand weitere Details zum kommenden Album aus den Amerikanern heraus quetschen.

Auf dem Weg zurück in die Eingangshalle, gehe ich kurz bei der Bat Cave vorbei, wo Naam schon spielen. Leider ist es hier super voll, was ich höre klingt aber gut. Unten beim Bier holen, fällt mir auf, dass im ganzen unteren Stock über Boxen live der Sound der Main Stage übertragen wird. Aber dann gehts erstmal schnell raus, denn genau gegenüber der Konzerthalle befindet sich ein weiteres Gebäude. Hier gibt es Merchandise der aktuell spielenden Bands, Plattenverkauf und das Roadburnkino. Allein schon beim kurzen durchstöbern der Platten, könnte man sich arm kaufen. Ich halte mich zurück und bleibe bei einer von Lori signierten Acid King und kreuze wieder rüber zur Main Stage.

Dort sind Wovenhand schon zu drei Vierteln fertig mit ihrem Set. Was ich höre klingt aber erstaunlich gut. Der abgedrehte Frontmann, der sowohl akkustisch als auch optisch etwas an Indianer erinnert, spielt im sitzen seine Gitarre und scheint bei den Ansagen merkbar, doch ziemlich auf Drogen zu sein.

Drogen… . Davon kann Bobby Liebling sicher auch ein Lied singen. Ähnlich wie bei Ozzy, ist es fast ein Wunder, dass er die Bühne überhaupt betreten kann. Als dann aber Bobby mit Pentagram die Stage entert, wird schnell klar, wenn Ozzy den Titel Prince Of Darkness behalten darf, muss Bobby – zumindest in meinen Augen – als der King bezeichnet werden. In hochhackigen Schuhen und Lederklamotten stolziert er auf die Bühne. Wie ein Greifvogel, wie ein Rockstar, wie der Tod in Person. Es werden Grimassen gezogen, sich an die Kronjuwelen gegriffen, starrend in die Leere geblickt. Es wird eine Show geliefert. Und was für eine und in dem Alter! Das Publikum lässt sich von Klassikern der selbstbetitelten Platte mitreissen und applaudiert auch zu Recht zu neuen Songs, die zumindest live gut ins Repertoire passen.
Bobby bringt es bei den Zugaben passend auf den Punkt: „Do you want some more?! … I always want some more, thats my problem.“ Ich hätte stundenlang weiter Fotos von Bobbys Performance machen können. Doch nach guten 70 Minuten lassen Pentagram, die gut gefüllte Main Stage zufrieden zurück. Ich bin begeistert.

Den ersten Abend will ich mit The Atomic Bitchwax ausklingen lassen. Erstmals im Green Room (ungefähr 2-3 mal so groß wie die Bat Cave) verkrümmel ich mich an den Bühnenrand, um auch hier ein paar Fotos schießen zu können. Ziemlich nah an den Boxen, wie ich bald merken muss. Denn wenn TAB mal los legen, dann richtig. Loud and Fast. Die Riffmeister sind wirklich unglaublich schnell und liefern ein extrem hartes Stonerbrett. Meine Highlights sind Hope You Die und Shitkicker vom ersten Album. Abgesehen davon, dass ich mir soundtechnisch nicht den besten Platz ausgesucht habe, ein wirklich toller Auftritt, mit den talentierten Amerikanern. Zum Schluss gibts dann noch einen Auszug aus dem neuen Album, welches nur aus einem Song besteht, aber wohl dutzende Riffkombinationen enthält.

Harter Tobak, um einen so anstrengenden Tag ausklingen zu lassen. Zufrieden und fertig, gebe ich mich der Müdigkeit geschlagen und nehme den ersten Shuttle Bus zurück zum Camping Platz. Ich lasse den Tag nochmal Revue passieren und muss sagen, dass mich das Konzept bis hier hin eigentlich durchaus überzeugen konnte. Man sollte sich nur definitiv wegen des Timetables keinen Stress machen, so verliert man nämlich schnell die Lust. Und über das ausgegebene Geld sollte man sich erst Recht keine Gedanken machen… . Dafür bleibt beim Kopfkino mit Pentagram, Acid King und The Atomic Bitchwax, aber auch erstmal überhaupt keine Zeit.

Das wars erstmal, bald folgt Teil 2 (Freitag und Samstag), mit so großen Namen wie Sunn O))) und Shrinebuilder, sowie meiner persönlichen Überraschung des Festivals.

Weiter zu Teil 2!

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