Stoned From The Underground 2010 – Großer Festivalbericht

Donnerstag

Einige, die sich irgendwie von der Arbeit losschlagen konnten, nahmen die Anreise schon am Donnerstag auf sich. Nachdem mit den netten Securitys ein paar Worte gewechselt wurden, bekam „stonerrock.de“ sogar ein bisschen Platz reserviert. Ein billiges Pavillion sollte Dreh-und Angelpunkt für die nächsten Tage sein, um die Community vor der unbarmherzigen Sonne zu schützen. So eng es war, so familiär war es dafür aber auch. Am Donnerstag unterhielt man sich schon über Musik und trank das ein oder andere (und noch ein anderes) Bier.

Freitag

Während manche noch ihren ersten Rausch ausschlafen, kommen jetzt immer mehr Leute auf das abgeholzte Maisfeld. Die Kennzeichen verraten, dass Leute von überall angereist sind, um sich das Festival 2010 zu geben. Wenn man anreist, ist das erste was einen glücklich macht, der Blick auf den See. Bei dem Wetter, ist der für viele die Rettung vor dem Kollaps. Zwar fühlt man sich mit den vielen Menschen und dem Gegröhle wie auf Mallorca, aber die erfrischende Kühle lässt einen darüber hinweg sehen.
Die Leute stellen sich einander vor, exotische Biersorten werden getauscht und verköstigt. Wo man hinschaut – allen geht es gut. Obwohl die Hitze zwingt einen alles langsamer anzugehen.  Grund zum Stress gibt es sowieso keinen. Nur irgendwann muss man sich dann aufraffen, um sich zu den Bands zu schleppen. Aber das sollte bei diesem Line-Up Motivation genug sein:

Luna Negra

Die polnischen Instrumental-Stoner-Rocker hatten die Ehre, am Freitag um 17:30 das diesjährige Festival zu eröffnen.

Ungeachtet vom spärlich gefüllten Zelt rockt das Quartett seine ganz eigene Mischung aus Karma To Burn/Kyuss/Monkey3 Riffs und würzt diese mit einer kräftigen Prise 70′s Rock. Zwar sind die jungen Polen noch sichtlich aufgeregt, doch ihren Auftritt spielen sie souverän und überzeugen durch spielerisches Können.
Staubtrockene Desertklänge mischen sich dabei mit ruhigeren, teils hypnotischen Jam-Parts, um dann wiederum durch den aufgedrehten Verzerrer gejagt zu werden.
Das scheint dann doch noch einige Leute von den Campingstühlen hochgelockt zu haben und so füllt sich das Zelt mehr und mehr.

Die Jungs spielen sehr viel neues Material, von dem wir bald hören werden (s. Interview) und von der ersten Demo (Soundproof von 2009) nur Echo Elephant und das besinnliche Blue Bird.
Kurz vor Schluß des Gigs zeigte ein Blick nach hinten, ein doch ziemlich gefülltes Zelt und einige, die dem ganzen Treiben von der Anhöhe davor lauschten.
Sichtlich zufrieden mit ihrer eigenen Leistung bedankten sich die vier brav und auch das Publikum applaudierte fleißig.

~ Kevin

Samsara Blues Experiment

Samsara haben sich schon nach kurzer Zeit mit ihrer neuen Scheibe Long Distance Trip unter den Psychedelic-Stoner-Bands etabliert und konnten am frühen Freitag Abend ihr Können präsentieren. Nachdem schon eine Menge Luna Negra bestaunt haben, kommen jetzt aber nochmal deutlich mehr Leute unter das (unglaublich) heiße Zelt. Die Berliner haben offenbar schon einen gewissen Ruf gewonnen.
Dann geht es los und das Publikum wird in eine andere Welt geschickt. Mit den zwei psychedelischen Gitarren führen uns SBE weit weg von Hitze und Festival. Songs die teilweise über zehn Minuten gehen, lassen an einen genialen Jam aus den 70ern erinnern. Dabei verliert man sich in den spacigen Soundwänden die einen zu umgeben scheinen. Zwischendrin weicht der atmosphärische Sound auch den heavy Riffs, die dann eher von Bass und Drums geführt werden.
Selten, aber sinnvoll eingesetzt, hypnotisiert auch der Gesang von „Gründer“ Chris die Menge und fügt somit noch das letzte Etwas zum perfekten Trip.
Long Distance Trip, besser kann man wohl das neue Material der Jungs sowieso nicht beschreiben. Als dann auch noch der mächtige Riff  von Army of Ignorance (einer meiner Lieblingssongs) ertönt, kann ich meinen ersten Höhepunkt des Festivals vermerken.
Dann gibt es sogar noch einen neuen Song, Outside Insight Blues, der durchaus überzeugen kann. Zur Krönung bekommen die Zuschauer dann noch Double Freedom (ein über 20 minütiges Meisterwerk) entgegengeknallt. Wow.

Auch wenn die Berliner zu Beginn des Gigs etwas soundtechnische Probleme hatten, bewiesen sie, dass sie ihre Musik ernst nehmen und den Leuten Spaß beim Zuhören vermitteln. Was will man mehr? Wir können gespannt sein, was uns von denen in Zukunft noch erwartet!

~ Tim

Ich durfte SBE zum ersten mal live bestaunen und kann Tim nur beipflichten! Schon das Album überzeugt mit seinem Retro-Charme, der aber nie altbacken klingt. Live bekommt man ihr großes musikalisches Talent aber erst richtig zu spüren. Klasse Songs die rocken, aber noch genug Platz zum träumen lassen. Ich sage SBE jedenfalls eine große Zukunft vorraus“ ~ Kevin

Kongh

Kongh sollte die erste Band sein, die das Wort „Härte“ ins Spiel brachte. Denn ihr Mix aus Doom, Sludge und Metal knallt wirklich. Für viele zu hart, für andere nach den verspielten SBE genau das Richtige, um sich mal richtig gehen zu lassen. Wer auf kreischende Gitarrenparts, Gegrolle und heftige Doom-Drums steht, war hier bestens bedient. Mir war das für den Anfang zu heftig und ich hab mich daher verzogen, um an den tollen Platten-Ständen das ein oder andere Schätzchen aufzugabeln.

~ Tim

Winnebago Deal

So bekomme ich leider nur noch das Ende des Duos aus England mit. Diese klingen irgendwie wie eine heftigere Version von Fu Manchu. Ein etwas dunklerer Sound, dafür aber schneller als Fu Manchu. Hardcoreeinflüsse wie etwa von Black Flag sind noch gut herauszuhören. Kein Wunder, spielen doch Ben Perrier und Ben Thomas im Lineup von Nick Oliveris Mondo Generator. Bei dem der Punk auch eine tragende Rolle spielt. Jedenfalls bildet der Sound einen netten Übergang zwischen den sehr harten Kongh und den gleich auftretenden verträumten Yawing Man.

~ Tim

Yawning Man

Dann entern die Jungs von Yawning Man die Bühne. Viele bekommen erst jetzt mit, dass Mario Lalli leider nicht mit auf Tour gekommen ist. Unter anderem machen Gerüchte über Familienprobleme, Drogenprobleme und Krankheit die Runde. Egal was es ist, wir hoffen nur, Mario bekommt das wieder auf die Reihe und ist bald wieder am Start.
Der sehr junge Ersatz spielt seine Sache jedoch großartig und hat laut Gary Arce alle Songs in vier Tagen gelernt. Mit Yawning Man haben sich die SftU-Veranstalter einen von drei Legenden aus Palm Desert geleistet.
Die Drei konzentrieren sich bei ihren Songs introvertiert auf ihr Spiel. Dabei wird viel improvisiert. Riffs werden gespielt und weiterentwickelt, Songstrukturen langsam aufgebaut, bis sich alle anschauen und zunicken. Das Zeichen für den nächsten Part. Viele der Zuhörer haben die Augen dabei geschlossen oder blicken auf Naturprojektionen im Hintergrund. Natur und Yawning Man gehen sowieso Hand in Hand. Die Musik beschreibt Landschaften, Flora und Fauna. Der Albumtitel Rock Formations ist und bleibt eben Wegweiser für den Stil der Desert-Rocker. Zu hören gibt es jedoch auch einige Songs der neuen Platte Nomadic Pursuits. Hier merkt man, dass viele noch nichts vom neuen Material kennen. Egal. Die meisten lassen sich trotzdem von der Musik leiten und verabschieden Yawning Man verdient mit einer Menge Applaus.

Setlist
Camel Tow
Far-Off Adventure
Ground Swell
Rock Formations
Stoney Lonesome
Perpetual Oyster
Airport Boulevard
Sonny Bono Memorial Freeway

~ Tim

Garcia Plays Kyuss

Freitag Abend war es dann soweit, der Höhepunkt für viele Fans und für manche sogar der Grund, das Festival zu besuchen:

John Garcia gibt sich die Ehre, mit seinen drei holländischen Mitstreitern die Songs von Kyuss zum besten zu geben. Als Intro stimmt die Band Molten Universe an, um die Massen schon mal anzuheizen, als dann endlich eine der größten Stimmen des Stoner-Rock die Bühne betritt. Die ausgelassene Menge bejubelt ihn frenetisch und ist bei jedem einzelnen Song mit vollem Herzen dabei. Auch einige andere Bands ließen sich die Gelegenheit nicht nehmen, und so kommt es, dass ich den Gig in mitten von Nightstalker- und Luna Negra Mitgliedern sehe.

Einzelne Songs hervorzuheben wäre wohl sinnlos, da so ziemlich alle Hits sind und von den Zuschauern lautstark mitgegrölt werden. Lediglich die Mitmusiker trübten den Spaß an der Sache ein bisschen.
Der Bassist spielte zwar überzeugend und fast fehlerfrei, doch erinnert er vom Aussehen eher an einen Oberstufenlehrer als an einen Stoner-Rocker. Und die Gitarrenarbeit war noch einige Ligen vom genialen Josh Homme entfernt. Einzig beim sehr starken Drummer gabs keinen Grund zur Beanstandung. Im Vergleich zu den Konzerten in München und Frankreich, die ich besuchen durfte, fiel der Gig auf dem SftU etwas ab. Das liegt zum einen daran, dass kein ehemaliges Bandmitglied sich die Ehre gab, mit John zu spielen, und zum anderen merkt man ihm die Tour so langsam an. Der Bewegungsradius ist langsam etwas eingeschränkter, die immer gleichen Sprüche, wie beispielsweise „It‘ fuckin‘ hot in here… It feels like 100°“, scheinen ihn auf Dauer selbst zu langweilen. Aber immerhin zieht er sein Ding durch!

Über die ganze Philosophie hinter dem Projekt zu diskutieren bringt auch recht wenig, da dort die Meinungen zu weit auseinandergehen. Die Einen (vorallem die etwas Jüngeren) nehmen die einmalige Chance wahr, Kyuss-Songs nochmal live geniessen zu dürfen und dabei dieser grandiosen Stimme zu lauschen… Die Anderen sehen es als „Cash-Cow“ von Garcia und als Mittel zum Zweck sein neues Solo-Album zu promoten. In den USA hat John sogar schon den Spitznamen „Johnny Cash“. Ehemalige Bandmitglieder sind ähnlich zwiegespalten. Während Alfredo Hernandez die ganze Sache als lächerlich empfindet, lassen sich Brant Bjork und Nick Oliveri auch gerne mal auf ein Zusammenspiel ein (s. Hellfest).

Am Ende ist natürlich jedem selbst überlassen, was er davon hält und wie er dazu steht. Ich denke jedoch es war auf jeden Fall eine Bereicherung für dieses Festival!

~ Kevin

Mein zweiter Garcia-Gig. Diesmal nicht im Pit, sondern eher als stiller Beobachter von außen. Die Moral hinter Garcias Handeln mag man anzweifeln dürfen, aber das Projekt rockt nunmal. Und wer zu denen gehört, die dem Ganzen abgeschworen haben (so wie Gary Arce neben mir, der über eine Stunde nur damit beschäftigt war ein Chick abzuschleppen), der mag zwar dem Original-Kyuss treu sein, verpasst dafür aber eine Super Kyuss-Tribute-Party, mit einer Menge Leute, die einfach nur die Musik lieben“  ~ Tim

Peter Pan Speedrock

Wer nach dem Garcia-Gig am Freitag noch nicht genug hatte, der konnte sich danach bei der niederländischen Punk’n’Roll Institution Peter Pan Speedrock nochmal richtig den Arsch aufreissen lassen.

Ihr wuchtiger, teils sauschneller Punkrock mit lässiger Rock’n’Roll Attitüde war ohnehin das Beste was man tun konnte, um den Freitag gebührend abzuschliessen.
Mit Hits wie Go Satan Go, Better Off Dead und Donkeypunch brachten sie die feierwütigen Nachtschwärmer im Moshpit nochmal zum kochen.

Die Up-Tempo Punk’n’Roll Gitarrenarbeit zusammen mit den genialen Bassläufen und den harten Drumbeats (auch wenns immer der gleiche war) wussten auch den Stonerrock-Jüngern zu gefallen und von der anfänglichen Skepsis einiger szenegebundenen Fans, blieb nicht viel übrig als offene Münder.

Nach knapp 90 Minuten feinster Speedrock-Beschallung ließ sich das Trio noch ein wenig feiern, um dann genauso verschwitzt wie die Zuschauer, die Heimreise anzutreten.

~ Kevin


Samstag

Wer es tatsächlich schafft bei an die 40 Grad bis nach 12:00 in den Federn zu liegen, wird am Samstagmittag dezent von einer Blaskapelle geweckt, die im Zelt die Volkslieder und andere altbackene Klassiker zum besten geben. Das kommt erstaunlich gut an, so dass sogar der ein oder andere Metalhead anfängt mitzugröhlen. Die Kapelle hat von allen Bands zudem die längste Spielzeit an den Tag gelegt. Respekt.
An Bewegung ist kaum zu denken. Wer einen Schattenplatz hat, hält Treue zum einzig wahren Partner bei dieser Hitze: Dem Bier. Während Kevin und Tim sich auf die Suche nach den zu interviewenden Bands machen, sind die meisten mal wieder am See zu finden. Der flüssige Himmel. Früh um 15:00 Uhr raffen sich dennoch viele auf und begeben sich unter die Sauna bzw. das Festzelt:

The Machine

Für den Samstag sollte wieder eine sehr junge und talentierte Band den Anfang machen. Die Holländer waren den meisten zwar unbekannt, dennoch sammelten sich schon eine Menge Leute vor der Bühne. Der Bassist mit leuchtend orangenen Badehosen und der Gitarrist mit „earthless“-T-Shirt schienen schonmal die richtige Einstellung für den Samstag-Mittag zu vermitteln.
Was dann folgte, war ein super Psychedelic-Rock-Auftritt. Meiner Meinung nach hätten die Jungs noch länger spielen können. Die meisten  Songs kamen von der Platte Sorona Corona (2009), mit der sich The Machine einen ernstzunehmenden Platz unter den Stoner-Rock-Bands gesichert haben.

~ Tim

Ohne Scheiß… Die haben mich voll weggehauen! Erstklassiger Stoner-Rock mit eigenem Stempel und ein echter Lichtblick in der Fülle der ganzen aufstrebenden Underground-Bands!“ ~ Kevin

Highway Child

Wer unter elektrohasch arbeiten darf, gilt ja als Garant für gute Musik. So auch Highway Child, die es uns an diesem Tag wohl besonders zeigen wollen. Anders als bei The Machine werden hier die psychedelic-Elemente reduziert und dafür eine ganze Menge Garage-Rock-Feeling ausgepackt. Mit einem charismatischen Frontmann und rockigen Grooves wird zum Tanzen eingeladen. Die Dänen überzeugen durch Selbstbewusstsein und Erfahrung. Wie den Vieren auf der Bühne bleibt eigentlich auch dem Publikum nichts anderes übrig, als sich zu den Songs auf irgendeine Weise zu bewegen.
Die Mischung aus 60er-Psychedelic-Rock und klassischem Rock’nRoll kommt gut an und macht einfach gute Laune.
Das Stoned From The Underground ist überzeugt.

~ Tim

Firebird

Auf Grund von Interview-Verabredungen, konnte leider keiner unserer Redakteure die zwei nächsten Auftritte so anschaun, dass wir uns ein Bild davon machen hätten können (okay für 2 Fotos hats gerreicht).
Zur Entschädigung haben wir die Setlists ausgegraben. 

Setlist
Crying Out Loud
Blue Flame
Horse
Stranger
Soul Saviour
James Taylor
Bright Lights
Jack The Lad
Zoltana
Wing & Prayer
Ruined
Tank
Blues

Nightstalker

Setlist
Brainmaker
Just A Burn
Voodoo u do
Iron
Baby, God is dead
Line
The Pain goes on
Freakland
Trigger Happy

Saviours

Neben dem psychedelischen und fuzzlastigen Sound auf dem SftU darf natürlich auch der Stoner-Metal nicht fehlen. Hierfür sorgen am zweiten Tag des Festivals die Saviours aus Oakland, Kalifornien. Nachdem sich die Band seit nunmehr sechs Jahren auf den Bühnen dieser Welt behauptet und schon mit Doom-Legenden wie Saint Vitus getourt ist, darf ein krönender Abschluss ihrer Europa-Tour, die sie mit ihren „partners in crime“ Black Cobra und Weedeater bestritten, nicht fehlen. Einen besseren Ort als das SftU dürfte es hierfür wohl nicht geben. Nach etwa zehnminütigem Soundcheck stellt Frontmann Austin Barber die Band kurz vor, bevor schließlich die Gitarren geschmettert werden. Von Acid Hand und Rise To Pyramid Form über Livin‘ In The Void und Firewake Angel bietet die kurze, aber durchaus abwechslungsreiche Set Kompositionen aus allen drei Alben der noch relativ unbekannten und jungen Metal-Band. Wer die Saviours noch nicht kannte, wird von diesem Auftritt zweifelsohne positiv überrascht sein; jeder Riff läd geradezu zum Headbangen ein. Obwohl sich deren Sound von vielen Metal-Stilen hat  beeinflussen lassen, klingt dieser doch ganz eigen und entwickelt eine einzigartige Dynamik, was besonders gut bei dieser Darbietung zur Geltung kommt. Freunde der Musik von High On Fire oder The Sword dürften hier wohl voll auf ihre Kosten kommen und sich den Namen Saviours merken, denn es wird wohl nicht mehr allzu lange dauern, bis diese Band zu einer wahren Größe dieses Genres avanciert.

Narcotic Sea (Intro)
Acid Hand
We Roam
Rise To Pyramid Form
Eternal High
Livin‘ In The Void
Slave To The Hex
Firewake Angel

~  Anton

Black Cobra

Wem Saviours gefallen haben oder Kongh vom Vortag noch im Gedächtnis geblieben sind, den fand man garantiert auch jetzt ganz weit vorne vor der Bühne. Denn jetzt sollte es nochmal richtig Krach geben! Die Californier Black Cobra, schaffen das sogar zu zweit. Klingen tut das dann nicht etwa wie OM, sondern eher wie Black Tusk oder Zoroaster. Die Zweimann-Sludge-Combo liefert einen satten Sound und knallen sich durch ihr Set durch, wie kaum eine Band zuvor. Lärm machen will schließlich auch gelernt sein! Das Ganze kann man nämlich durchaus gut anhören. Drummer Rafael (auch Bass bei Acid King) und Gitarrist Jason haben sich dann am Ende sicher nicht nur meinen Respekt verdient. Vllt. mein Favourit in Sachen „harter Auftritt“ beim SftU 2010.

~ Tim

Weedeater

Und wieder ein Auftritt wo sich die Geschmäcker wohl geteilt haben. Die „Gras-esser“ aus North Carolina sind nichts für das schwache  Gemüt. Hat sich doch Frontmann „Dixie“ erst vor ein paar Monaten beim Putzen seiner Lieblings-Shotgun einen Zehen abgeschossen… . Auf der Bühne bleiben zwar alle weiteren Körperteile am Mann, dafür werden aber Flüssigkeiten verteilt. Drummer „Keko“ rotzt auf seine Snare um die nochmal richtig zu ölen und Dixie lässt mich schnell wieder aus dem Fotograben verschwinden. Zu gefährlich.
So vulgär das Auftreten der Jungs ist, so hart ist auch der Sound. Mit ihrem Mix aus Sludge, Doom und Stoner ergreift der ein oder andere die Flucht aus dem gefüllten Zelt. Andere dagegen drücken sich nach vorne um zum schmutzigen Geschrei und Geschrammel abzugehen. Dixie springt hin und her und reisst beim Schreien die Augen auf, als ob er diese auch noch los haben wollte. Das Ganze überzeugt auf jeden Fall alle, die auf schwere Gitarrenparts, harten Gesang und schleppende Drums stehen. Wem das zu abgefahren ist, verdrückt sich zum See oder zu der (langen) Schlange am Bierstand. Alle anderen nicken nur zufrieden mit. Am besten gefallen mir die Songs vom neusten Album God Luck and Good Speed, das immerhin von Steve Albini (!) produziert worden ist. Wohl die härteste Definition von Stoner Rock beim SftU 2010. Wichtig auch solche Kameraden mit an Bord zu haben, um den Genre-Mix zu perfektionieren. Top-Auftritt.

~ Tim

Brant Bjork

Wem Weedeater zu sehr „auf die Fresse“  waren, konnte sich jetzt freuen, denn jetzt gab es den dritten Ex-Kyuss-Mann on Stage zu sehen. Brant Bjork. Und eins schonmal vorweg: In einem Punkt waren sich alle einig, Bjork ist live um ein Vielfaches besser als auf CD. Denn dort kann dieser auf Dauer schon mal eintönig werden, mit seinem ewigen Gesinge ums Kiffen und Chillen.
Live dagegen haben die Songs viel mehr Leben und rocken auf simple  Art und Weise. Nicht zuletzt verdankt Bjork das natürlich seiner Band, die musikalisch echt was drauf haben und sich bei den Höhepunkten der Songs kaum noch halten können. Insgesamt wirkt das ganze auf jeden Fall natürlicher und symphatischer als bei Garcia. Aber genug der Vergleiche mit seinem „Bro“.
Bjork gibt sich gewohnt lässig, grinst immer wieder in die Menge und hat ganz offensichtlich Spaß. Wie schon bei einigen anderen Bands, werden via Beamer Bilder und Videos an die Wand projiziert. Natur, Wüste und Pflanzen sind genauso zu sehen wie Skater und Autos. In etwa das, was man auf Album-Covern von Fu Manchu zu sehen bekommt. So wird der Gig zu einem gemütlichen Beisammensein, mit großartiger Stimmung. Der Sand tropft aus den offenen Mündern. Für mich mit Sicherheit einer der besten Auftritte auf dem SftU 2010. Obwohl es schon dunkel geworden ist, hat man das Gefühl die kalifornische Sonne scheint auf einen herunter.

Mein ewiger Traum ist und bleibt wohl eine gut produzierte Live-Platte unseres „Desert-Bros“.

~ Tim

Tim nimmt mir die Worte aus dem Mund. Was dem Bro auf Platte an Druck und Energie fehlt, packt er live doppelt drauf und hat mich damit drei mal voll überzeugt dieses Jahr!“ ~ Kevin

Ufomammut

Kurz vor dem letzten Auftritt des Festivals 2010, bedanken sich die Veranstalter nochmal bei der versammelten Bande, bitten um das Benutzen der verteilten Mülltüten (was sich tatsächlich einige zu Herzen genommen haben) und machen unter Applaus Platz für das Doom-Trio aus Italien.
Was jetzt folgt kann man schlecht mit den gängigen Genrebegriffen beschreiben. Es handelt sich wohl um eine Art experimentellen Psychedelic-Doom. Oder anders: Eine Wand von Sound die einen umbläst. Dabei werden verschiedenste Effekte benutzt, die dazu genutzt werden über Minuten Songstrukturen aufzubauen, die an den Höhepunkten dann so viel Energie haben, dass man sprachlos bleibt. Anzusiedeln wäre das irgendwo zwischen Electric Wizard, Sleep und der Unterwelt. Dabei überzeugen die Songs vom neuen Epos-Album Eve genauso wie die Klassiker aus über zehn Jahren Bandbestehen. Anfangs hat Bassist Urlo noch lange Probleme mit seinen Monitorboxen und blickt vorwurfsvoll in Richtung Technik, doch je länger der Gig geht, desto mehr steigern sich alle Anwesenden hinein und fallen bald in eine Art Trance. Obwohl der Sound an den Untergang der Welt erinnern lässt, hätte es wohl kaum einen besseren Abschluss geben können. Denn selbst wenn das Ende gekommen wäre, hätten wir uns mit einem Grinsen verabschiedet. Immerhin haben wir gerade zwei Tage im Paradies verbracht!

~ Tim

Ufomammut hab ich mir größtenteils von hinter der Bühne angeschaut, ich war einfach zu fertig. Aber das Sound-Gebräu, das wie Magma aus den Boxen floß, hat mich sehr überzeugt! Mit offenem Mund hab ich den ganzen Gig über die drei Italiener bestaunt. So geschickt Songs aufzubauen, das man von der ersten bis zur letzten Minute voll dabei ist, gelingt heutzutage leider nicht mehr allzuvielen Bands…Respekt vor dieser musikalischen Leistung!
P.S. Mich hats danach beim Kisten schleppen fürn DJ Walter voll auf die Fresse gelegt ^^
“ ~ Kevin

DJ Walter

Der Walter packt dann noch stundenlang alle gängigen Klassiker aus, die man sich nur wünschen kann. Wer noch Party machen will, ist hier gut bedient!


Fazit:

Der ein oder andere wird sich vielleicht denken, der Artikel sei durchzogen mit Lob und Liebe. Übertrieben? Nein. Definitiv nicht. Kritik lässt sich hier wirklich nur im positiven Sinn äußern. Das durch und durch gut organisierte Festival überzeugt durch nette Leute, familiäres Flair und der Créme de la Créme der Untergrund-Szene und darüber hinhaus.
Mit 16 Bands aus fast 10 verschiedenen Ländern und ca. 2000 Zuschauern, wohl das schönste Festival Deutschlands.

Einziges Manko waren wohl die überfüllten Bierstände. Da musste man teilweise weit über zehn Minuten warten. Bei der Hitze ist das die reinste Qual. Aber naja, waren ja auch zum ersten mal so viele Leute da. Daraus hat man sicher gelernt. Wer noch mehr über die Organisation des Festival und die Geschichte erfahren möchte, sollte sich unbedingt das Interview mit Ralf, einem der Veranstalter durchlesen (siehe unten). Auch die Interviews mit Luna Negra und Samsara Blues Experiment bitte nicht vergessen!

Wir freuen uns jedenfalls alle auf nächstes Jahr und hoffen euch alle auch dabei zu haben. Danke fürs Lesen.

Euer stonerrock.de-Team
Kevin, Anton, Ben und Tim

Bilder: Tim B.

Interview mit Ralf, einem der Veranstalter des SftU
Interview mit Samsara Blues Experiment
Interview mit Luna Negra

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Weitere Bilder vom SftU 2010:

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